Analyse

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Noch vor der Klinik: Warum Roche 100 Millionen Dollar für ein Parkinson-Programm bezahlt, das nie an einem Menschen getestet wurde

Noch vor der Klinik: Warum Roche 100 Millionen Dollar für ein Parkinson-Programm bezahlt, das nie an einem Menschen getestet wurde

Noch vor der Klinik: Warum Roche 100 Millionen Dollar für ein Parkinson-Programm bezahlt, das nie an einem Menschen getestet wurde

Alector hat in dreizehn Jahren kein einziges Medikament verkauft. Trotzdem haben Pharmakonzerne der Firma über eine Milliarde Dollar überwiesen, zuletzt Genentech für ein Programm, das noch im Labor steht. Wer daran verdient hat, wer nicht, und was die Schlagzeile „1.27 Milliarden“ verschweigt.

Alector hat in dreizehn Jahren kein einziges Medikament verkauft. Trotzdem haben Pharmakonzerne der Firma über eine Milliarde Dollar überwiesen, zuletzt Genentech für ein Programm, das noch im Labor steht. Wer daran verdient hat, wer nicht, und was die Schlagzeile „1.27 Milliarden“ verschweigt.

Alector hat in dreizehn Jahren kein einziges Medikament verkauft. Trotzdem haben Pharmakonzerne der Firma über eine Milliarde Dollar überwiesen, zuletzt Genentech für ein Programm, das noch im Labor steht. Wer daran verdient hat, wer nicht, und was die Schlagzeile „1.27 Milliarden“ verschweigt.

Redaktion KMU Beteiligungsforum Schweiz

ca. 6 Minuten

Rechenzentrum – Symbolbild zum Übergang eines Technologieunternehmens an den Kapitalmarkt

DER DEAL AUF EINEN BLICK

Alector · Was Pharmakonzerne bezahlt haben (USD)

AbbVie, 2017

205 Mio.

plus 20 Mio. Beteiligung

GSK, 2021

700 Mio.

Vorauszahlung

Genentech, Okt. 2026

100 Mio.

plus bis zu 1.17 Mrd. bedingt

Medikamente verkauft

0

seit Gründung 2013

Eine Firma, die in dreizehn Jahren nichts verkauft hat, deren zwei wichtigste Wirkstoffe in den letzten zwei Jahren gescheitert sind, die vor zwölf Monaten die Hälfte ihrer Leute entlassen hat und deren Aktie zeitweise unter zwei Dollar notierte, bekommt von Roche 100 Millionen Dollar. In bar. Für etwas, das noch nie ein Mensch eingenommen hat.

So liest sich der Lizenzvertrag, den Alector aus South San Francisco am 5. Oktober mit Genentech, der US-Tochter von Roche, geschlossen hat. Genentech erhält die weltweiten Rechte an AL050, einem Enzymersatz gegen Parkinson. Alector bekommt 100 Millionen sofort, bis zu 1.17 Milliarden bei Erreichen von Entwicklungs-, Zulassungs- und Verkaufszielen, dazu Lizenzgebühren auf künftige Umsätze. Die Aktie sprang vorbörslich um 72 %.

Das Wort, auf das es ankommt, steht in der Mitteilung ganz nebenbei: präklinisch. Keine Phase 1, keine Sicherheitsdaten, keine Wirksamkeitsdaten. Laborergebnisse, Tierversuche, eine Hypothese. Und einer der grössten Pharmakonzerne der Welt zahlt dafür, bevor der erste Patient behandelt ist. Um zu verstehen, warum, muss man wissen, was Alector eigentlich ist: kein Medikamentenhersteller, sondern eine Firma, die seit 2013 davon lebt, Konzerne zum Bezahlen zu bringen, bevor irgendetwas bewiesen ist.

Gibt es in der Schweiz Unternehmen, die von Konzernen bezahlt werden, bevor sie ein Produkt haben?

Ja, und zwar nicht wenige. Lizenzverträge mit Pharmakonzernen sind der häufigste Weg, auf dem Schweizer Biotech-KMU Wert für ihre Investoren schaffen, lange vor einem Verkauf oder Börsengang. Ob Sie die Voraussetzungen erfüllen, an solchen Unternehmen beteiligt zu sein, zeigt der Eignungstest in zwei Minuten.

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Über eine Milliarde, ohne ein Produkt

Alector wurde 2013 vom Neurowissenschaftler Arnon Rosenthal gegründet und über Jahre von Risikokapitalgebern wie OrbiMed, Polaris und GV finanziert. 2017 kam der erste grosse Vertrag: AbbVie zahlte 205 Millionen Dollar vorab für zwei Alzheimer-Programme und beteiligte sich mit weiteren 20 Millionen. Im Juli 2018 sammelte Alector 133 Millionen in einer Series E ein, im Februar 2019 ging es zu 19 Dollar je Aktie an die Nasdaq. 2021 folgte der zweite Konzern: GSK zahlte 700 Millionen vorab für zwei Demenz-Programme.

Dann ging es schief. Das AbbVie-Programm scheiterte 2024 in Phase 2. Das GSK-Programm Latozinemab scheiterte im Oktober 2025 in Phase 3, der letzten Studie vor der Zulassung. Die Aktie fiel nachbörslich um 51 % auf 1.57 Dollar. Alector entliess 47 % der Belegschaft. Von 413 Millionen Kasse Ende 2024 waren im September 2026 noch 139 Millionen übrig.

Und jetzt, zwölf Monate später, der dritte Konzern. Die Summe seit 2017: über eine Milliarde Dollar an festen Vorauszahlungen, von drei verschiedenen Pharmakonzernen, für Programme, von denen bis heute keines ein Medikament geworden ist. Das ist kein Betrug und kein Glück. Es ist ein Geschäftsmodell.

Was Roche kauft

Genentech kauft nicht die Hoffnung auf ein Molekül. Es kauft eine Technologie, die Alector in sieben Jahren entwickelt hat: einen Transporter, der Antikörper, Enzyme und andere grosse Moleküle über die Blut-Hirn-Schranke bringt. Diese Schranke ist der Grund, warum die meisten Wirkstoffe gegen Hirnerkrankungen scheitern. Sie kommen nicht an. AL050 ist ein Enzym, das mit dieser Technologie dorthin gebracht werden soll, wo bei Parkinson-Patienten mit einer bestimmten Genmutation ein Mangel herrscht, der mit der Verklumpung von Proteinen im Gehirn zusammenhängt.

Für Roche ist das eine Option: 100 Millionen für den Beweis, dass die Transporttechnik bei einem Enzym funktioniert, bevor Konkurrenten denselben Beweis haben. Scheitert AL050 in Phase 1, sind 100 Millionen weg, ein Bruchteil dessen, was eine eigene Entwicklung gekostet hätte. Gelingt es, ist jede weitere Zahlung an einen Erfolg geknüpft, der sie rechtfertigt. Roche hat in den letzten Monaten mehrere solcher Verträge geschlossen. So füllen Pharmakonzerne heute ihre Pipeline: nicht durch Übernahmen ganzer Firmen, sondern durch Optionen auf einzelne Programme.

Ein Detail aus der Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht zeigt, wie eng das Ganze war: Am 30. September, fünf Tage vor dem Genentech-Vertrag, zog Alector eine Option auf Patente der britischen Spur Therapeutics, ohne die AL050 nicht lizenzierbar gewesen wäre. Kosten: 500’000 Dollar für die Option im August, 15 Millionen für die Ausübung, zahlbar nach Eingang der Genentech-Zahlung. Alector hat die Rechte, die den Deal erst möglich machten, für 15.5 Millionen gesichert und für 100 Millionen plus Meilensteine weitergegeben.

Wer verdient hat, und wer nicht

Die Schlagzeilen sprechen von 1.27 Milliarden. Fest sind 100 Millionen, knapp acht Prozent. Der Rest hängt an Ereignissen, von denen das erste, der Beginn einer Studie am Menschen, noch aussteht, und das letzte, kommerzielle Verkaufsziele, zehn Jahre entfernt liegt, wenn es je eintritt. Wir haben dieselbe Struktur bei Neurimmune und bei Novartis und Abogen analysiert. Für Alector ist der relevante Satz ein anderer: Die 100 Millionen verlängern die Finanzierungsreichweite von Ende 2027 bis 2029. Die Firma hat Zeit gekauft, ohne zu einem Kurs von zwei Dollar neue Aktien ausgeben zu müssen.

Wer in dieser Geschichte verdient hat, hängt vom Einstiegszeitpunkt ab, und die Antwort ist unbequem. Die Risikokapitalgeber, die Alector zwischen 2013 und 2018 finanziert haben, erlebten 2019 einen Börsengang zu 19 Dollar und hatten danach die Wahl, zu verkaufen. Die Pharmakonzerne haben 2017 und 2021 bezahlt und 2024 und 2025 die Programme verloren; für sie war es eine teure Option, die nicht aufging. Und wer 2021 an der Börse kaufte, als die GSK-Zahlung die Aktie über 20 Dollar hob, sass im Oktober 2025 bei 1.57 und hat auch nach dem 72-Prozent-Sprung einen Bruchteil seines Einsatzes.

Die Rendite in diesem Geschäft lag bei denen, die die Plattform finanziert haben, als sie noch kein Konzern kannte, und die liquide wurden, bevor die Studien scheiterten. Der Verlust lag bei denen, die die Schlagzeile gekauft haben. Das ist dieselbe Mechanik wie bei Novartis und Avidity, nur über einen längeren Zeitraum und mit drei Konzernen statt einem.

Was das mit der Schweiz zu tun hat

Die Auslizenzierung ist die Exit-Form, die in der Diskussion um Börsengänge und Übernahmen am häufigsten untergeht, und sie ist in der Schweiz die häufigste von allen. Neurimmune in Schlieren hat ihren Antikörper gegen eine Herzkrankheit an AstraZeneca lizenziert und einen Teil der künftigen Erlöse für bis zu 425 Millionen an Royalty Pharma verkauft, ohne eine einzige Aktie auszugeben. Dutzende Schweizer Biotech-KMU zwischen Basel, Zürich und Lausanne arbeiten auf genau diesen Moment hin: den Tag, an dem ein Konzern für ein Programm bezahlt, bevor es fertig ist.

Für die Investoren dieser Firmen heisst das: Der Wert entsteht nicht erst beim Verkauf des ganzen Unternehmens. Er entsteht jedes Mal, wenn ein Programm an einen Konzern geht und Geld in die Kasse fliesst, das die anderen Programme finanziert. Eine Plattform, die mehrere Programme hervorbringt, hat mehrere solcher Momente. Ein Unternehmen mit einem einzigen Wirkstoff hat einen, und wenn der scheitert, keinen.

Die Frage vor einer Beteiligung lautet deshalb nicht nur: Wer könnte dieses Unternehmen kaufen? Sondern: Was daran ist einzeln verwertbar, und wer hätte Interesse daran, bevor es fertig ist? Alector hat diese Frage nach dem Absturz beantwortet. Die Investoren, die sie vorher gestellt haben, waren die, die verdient haben.

Nordstein zeigt qualifizierten Privatanlegern Schweizer Life-Science-KMU mit Plattformen, die mehr als einen Weg zum Exit haben.

Bei jedem Mandat werden die einzeln verwertbaren Programme, mögliche Lizenzpartner und die Finanzierungsreichweite dokumentiert, bevor es vorgestellt wird. Unterlagen nach Qualifikation, im vertraulichen Rahmen.

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Was dazugehört

Alector zeigt beide Seiten in dreizehn Jahren: eine Plattform, die drei Konzerne zum Bezahlen brachte, und zwei Programme, die trotzdem scheiterten. Wer in dieser Zeit investiert war, hat einen Börsengang, zwei Milliardenverträge, zwei Fehlschläge, einen Kurssturz von über 50 % und einen Sprung von über 70 % erlebt. Ausserbörsliche Beteiligungen ersparen einem die Kursanzeige, nicht die Bewegung. Und für jedes Alector gibt es Firmen, deren Plattform kein Konzern je wollte.

Wer eine solche Position einnehmen will, braucht einen Horizont von fünf bis zehn Jahren, Kapital, das in dieser Zeit nicht gebraucht wird, und die Bereitschaft, im schlechtesten Fall alles zu verlieren. Wer das nicht tragen kann, bleibt besser bei kotierten Aktien. Das ist ein legitimes Ergebnis.

Ob die andere Position zu Ihnen passt, klärt der Eignungstest in rund zwei Minuten. Ergibt er eine Eignung, folgt ein Gespräch, in dem Sie erfahren, welche Schweizer Unternehmen aktuell Kapital suchen. Ohne Verpflichtung. Ergibt er keine, haben Sie zwei Minuten investiert und wissen es.

Wollen Sie an der Plattform beteiligt sein, bevor der Konzern für ein Programm bezahlt?

Rund zwei Minuten, unverbindlich, keine Weitergabe Ihrer Daten. Bei Eignung folgt ein persönliches Gespräch ohne Verkaufsdruck.

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Angaben im Beitrag

Quellen: Medienmitteilung Alector vom 5. Oktober 2026 und Pflichtmitteilung Form 8-K an die SEC vom selben Tag (Vertragsbedingungen, Spur-Option, Kassenbestand 138.7 Mio. per 30. September 2026); Fierce Biotech, 5. Oktober 2026 (Reichweite bis 2029, Spur-Zahlungen); Yahoo Finance und Handelsdienste, 5. Oktober 2026 (Kursreaktion +72 % vorbörslich); Börsenprospekt Alector (Form 424B4) vom 6. Februar 2019 (IPO-Preis 19 USD, AbbVie-Vorauszahlung 205 Mio. plus 20 Mio. Beteiligung, Gründung 2013); MedCity News, Juli 2018 (Series E 133 Mio., Investoren); Alector-Quartalsbericht Q1 2025 (GSK-Vorauszahlung 700 Mio., 2021); Medienmitteilung Alector vom 21. Oktober 2025 und Quartalsbericht Q3 2025 (INFRONT-3, Stellenabbau rund 47 %); PharmaLive, Oktober 2025 (Kurs 1.57 USD); Alector-Jahresbericht 2024 (Kassenbestand 413.4 Mio.). Die Summe „über eine Milliarde“ ist 205 + 700 + 100 Mio. feste Vorauszahlungen; Meilensteinzahlungen sind nicht enthalten. Einstiegspreise der Risikokapitalgeber vor dem Börsengang sind nicht publiziert; Aussagen zu deren Rendite sind qualitativ. Beträge in US-Dollar.

Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Beteiligungen oder Finanzinstrumenten dar. Beteiligungen an nicht börsenkotierten Unternehmen können illiquide sein und bis zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

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