Analyse

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7.8-Milliarden-Dollar-Deal? Warum Novartis zunächst „nur“ 575 Millionen bezahlt – und wer daran schon vor fünf Jahren verdient hat

7.8-Milliarden-Dollar-Deal? Warum Novartis zunächst „nur“ 575 Millionen bezahlt – und wer daran schon vor fünf Jahren verdient hat

7.8-Milliarden-Dollar-Deal? Warum Novartis zunächst „nur“ 575 Millionen bezahlt – und wer daran schon vor fünf Jahren verdient hat

Die Schlagzeile nennt 7.8 Milliarden. Fest vereinbart sind 575 Millionen. Und die Investoren, die 2020 in eine Suzhou-Firma mit damals gut zwanzig Millionen Finanzierung eingestiegen sind, haben ihr Geschäft lange vor dieser Schlagzeile gemacht.

Die Schlagzeile nennt 7.8 Milliarden. Fest vereinbart sind 575 Millionen. Und die Investoren, die 2020 in eine Suzhou-Firma mit damals gut zwanzig Millionen Finanzierung eingestiegen sind, haben ihr Geschäft lange vor dieser Schlagzeile gemacht.

Die Schlagzeile nennt 7.8 Milliarden. Fest vereinbart sind 575 Millionen. Und die Investoren, die 2020 in eine Suzhou-Firma mit damals gut zwanzig Millionen Finanzierung eingestiegen sind, haben ihr Geschäft lange vor dieser Schlagzeile gemacht.

Redaktion KMU Beteiligungsforum Schweiz

ca. 6 Minuten

Pipette und Wirkstoffprobe in einem Biotechnologie-Labor

DER DEAL AUF EINEN BLICK

Novartis · Abogen Biosciences · 2. Oktober 2026 (USD)

Sofortzahlung

575 Mio.

rund CHF 480 Mio., fest

Meilensteine und Optionen

bis zu 7.2 Mrd.

bedingt

Fester Anteil

7.4 %

der Schlagzeilensumme

Abogen Series A

Nov. 2020

rund USD 23 Mio.

Es gibt eine Firma in Suzhou, zwei Zugstunden westlich von Shanghai, die vor sechs Jahren noch nicht existierte und die jetzt von Novartis 575 Millionen Dollar in bar bekommt. Nicht für ein zugelassenes Medikament. Nicht für ein Produkt, das irgendjemand kaufen kann. Sondern für die Rechte an einem Wirkstoff, der gerade erst in den ersten Studien am Menschen steckt, und für die Option, später weitere zu lizenzieren.

Die Schlagzeilen vom 2. Oktober sprachen von einem 7.8-Milliarden-Deal. Wer das liest und 7.8 Milliarden in den Wert von Abogen hineinrechnet, rechnet falsch. Wer aber nur die 575 Millionen sieht und denkt, das sei die ganze Geschichte, verpasst den interessanteren Teil: nämlich, wie Abogen in diese Position gekommen ist, und wer auf dem Weg dorthin verdient hat.

Was fest ist, und was Schlagzeile

Der Vertrag ist schnell erklärt. Novartis erhält die weltweiten Rechte an ABO2203, einem Wirkstoff gegen Autoimmunerkrankungen wie Lupus. Er soll die B-Zellen ausschalten, die bei diesen Krankheiten den eigenen Körper angreifen, und zwar auf einem neuen Weg: Statt den Wirkstoff im Labor herzustellen und zu infundieren, bekommt der Körper per mRNA die Bauanleitung und produziert ihn selbst. Dieselbe Technik, die in den Covid-Impfstoffen steckte, nur diesmal als Therapie. Nach Angaben von Abogen ist es der erste Wirkstoff dieser Art, der bei Autoimmunerkrankungen in klinische Studien gegangen ist.

Dafür zahlt Novartis 575 Millionen sofort. Bis zu 7.2 Milliarden weitere fliessen, wenn Entwicklungs-, Zulassungs- und Verkaufsziele erreicht werden, und wenn Novartis seine Optionen auf weitere Programme aus Abogens Plattform zieht, die heute noch nicht einmal benannt sind. Fest vereinbart sind also 7.4 % der Schlagzeilensumme. Die übrigen 92.6 % sind Möglichkeiten, keine Zusagen.

Das ist in der Branche üblich und nicht unseriös; Abogen hat die Struktur offengelegt. Aber der Unterschied zwischen 575 Millionen und 7.8 Milliarden ist der Unterschied zwischen dem, was ein Unternehmen heute wert ist, und dem, was es in zehn Jahren im besten Fall wert sein könnte. Wir haben dieselbe Struktur bei Neurimmune und Royalty Pharma analysiert, mit 425 Millionen Schlagzeile und 125 Millionen Sofortzahlung, und bei Roche und Alector drei Tage nach dem Abogen-Deal.

Die Runde, die niemand bemerkt hat

Abogen wurde Anfang 2019 vom Biochemiker Bo Ying gegründet. Im November 2020, mitten in der Pandemie, schloss die Firma ihre Series A ab: 150 Millionen Yuan, umgerechnet rund 23 Millionen Dollar, von drei chinesischen Investoren, deren Namen ausserhalb der Branche niemand kennt. Es ging um einen mRNA-Impfstoff gegen Covid, den ersten chinesischen, der in klinische Studien kam. Die Welt schaute auf BioNTech und Moderna. Suzhou interessierte niemanden.

Dann ging es schnell. April 2021: Series B, 92 Millionen Dollar. August 2021: Series C, 720 Millionen, angeführt von Temasek, Hillhouse, Yunfeng und Lilly Asia Ventures. November 2021: Series C+, weitere 300 Millionen, angeführt von SoftBank. Innerhalb eines Jahres hatte Abogen über eine Milliarde Dollar eingesammelt, auf der Welle der Impfstoff-Euphorie, von Investoren, die zu jedem Preis dabei sein wollten.

Und dann kam die Ernüchterung. Der Impfstoff wurde im September 2022 zugelassen, aber nur in Indonesien. In China selbst nie. Der weltweite mRNA-Markt brach zusammen, als die Pandemie abklang. Firmen, die 2021 Milliarden wert waren, verloren in den zwei Jahren danach den grössten Teil davon. Wer in der Series C oder C+ eingestiegen war, zu Bewertungen, die auf einem Covid-Impfstoff beruhten, sass auf Anteilen an einer Firma, deren Hauptprodukt keinen Markt mehr hatte.

Abogen hat in dieser Zeit etwas gemacht, was den Unterschied ausmacht: Es hat die Plattform behalten und das Produkt gewechselt. Die Technik, mit der man dem Körper die Bauanleitung für ein Impfstoff-Protein liefert, kann auch die Bauanleitung für ein Therapeutikum liefern. Aus dem Impfstoffhersteller wurde ein Entwickler von RNA-Therapien gegen Krebs und Autoimmunerkrankungen. Und fünf Jahre nach der Series A kam Novartis.

Haben Sie schon einmal überlegt, welche Firmen heute in der Series A stehen, über die 2031 ein Konzern eine Schlagzeile produziert?

Die Investoren vom November 2020 hatten keinen Zugang zu Geheimwissen. Sie hatten Zugang zur Runde. Ob Sie die Voraussetzungen erfüllen, um an Finanzierungsrunden Schweizer Life-Science-Unternehmen teilzunehmen, zeigt der Eignungstest in zwei Minuten.

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Wer wann verdient hat

Die Bewertungen der Abogen-Runden sind nicht öffentlich, wie bei den meisten privaten Unternehmen. Was sich sagen lässt: Zwischen einer Series A über 23 Millionen und einer Series C über 720 Millionen neun Monate später liegt ein Bewertungssprung, den es an der Börse in dieser Form nicht gibt. Die Investoren vom November 2020 hatten im August 2021 ein Vielfaches auf dem Papier, und zwar bevor irgendeine Studie abgeschlossen war. Sie hatten in eine Idee investiert, als die Idee billig war, und die Welt hatte die Idee innerhalb eines Jahres teuer gemacht.

Die Investoren von 2021 dagegen, Temasek, Hillhouse, SoftBank, kauften auf dem Höhepunkt. Für sie ist der Novartis-Deal die erste gute Nachricht seit Jahren: 575 Millionen bar in die Kasse einer Firma, die zuvor als Covid-Relikt galt, und ein Pharmakonzern, der öffentlich bestätigt, dass die Plattform etwas taugt. Ob sie damit ihren Einstiegspreis wiedersehen, hängt davon ab, was sie 2021 bezahlt haben. Die Zahl steht nirgends.

Das ist der Punkt, der bei jeder Schlagzeile über einen Milliardendeal untergeht. Es gibt nicht „die Investoren“. Es gibt den, der 2020 in die kleine Runde ging, und den, der 2021 in die grosse. Dieselbe Firma, dieselbe Technologie, derselbe Novartis-Vertrag, und zwei völlig verschiedene Ergebnisse, weil der Einstiegspreis ein anderer war. Die Rendite in diesem Geschäft hängt weniger daran, ob man richtig lag, als daran, wann.

Was das mit der Schweiz zu tun hat

Suzhou ist weit weg. Die Mechanik nicht. In Schlieren sitzt Neurimmune, das denselben Weg gegangen ist: eine Antikörper-Plattform, über Jahre von Investoren finanziert, bis AstraZeneca einen Wirkstoff lizenzierte und Royalty Pharma für die künftigen Erlöse 425 Millionen bot. Nebenan NovaGo, das im September eine Series B über CHF 24 Mio. abgeschlossen hat, für eine Studie, deren Ergebnis in drei Jahren über alles entscheidet. In Basel Vaderis, in Zürich Piomic. Die Schweiz hat Dutzende solcher Unternehmen, und die meisten davon sind in der Phase, in der Abogen im November 2020 war: eine Plattform, ein Plan, eine kleine Runde, und noch keine Schlagzeile.

Diese Runden sind nicht über die Börse zugänglich. Sie werden zwischen Unternehmen und Investoren verhandelt, der Preis steht im Aktionärbindungsvertrag und nicht an einer Kurstafel, und wer teilnimmt, wird Miteigentümer zu Bedingungen, die er vorher lesen kann. Lange war das ein geschlossener Kreis aus Fonds und Family Offices. Heute gibt es strukturierte Wege, über die qualifizierte Privatpersonen an solchen Runden teilnehmen, mit denselben Unterlagen und zu denselben Bedingungen wie die Institutionellen daneben.

Was dazugehört

Abogen zeigt auch die andere Seite, und die gehört in jeden Text über dieses Geschäft. Zwischen der Series A und dem Novartis-Deal lagen sechs Jahre, ein Impfstoff, der seinen Markt verlor, und eine Phase, in der die Firma für die meisten Beobachter erledigt war. Wer 2020 eingestiegen ist, musste das durchstehen, ohne Kurs, ohne Ausstieg, ohne zu wissen, ob je ein Novartis kommt. Bei einem erheblichen Teil vergleichbarer Firmen kommt keiner.

Deshalb drei Fragen, bevor man in eine solche Runde geht. Erstens: Was ist die Plattform, und funktioniert sie auch, wenn das erste Produkt scheitert? Abogen hat überlebt, weil die Technik mehr konnte als einen Impfstoff. Zweitens: Wer könnte diese Plattform in fünf Jahren brauchen, und was haben vergleichbare Deals gekostet? Drittens: Reicht das Geld bis zum nächsten Punkt, an dem jemand kaufen oder lizenzieren will? Dazu kommt, was für jede ausserbörsliche Beteiligung gilt: fünf bis zehn Jahre Horizont, Kapital, das in dieser Zeit nicht gebraucht wird, und die Bereitschaft, im schlechtesten Fall alles zu verlieren. Wer das nicht tragen kann, bleibt besser bei kotierten Aktien. Das ist kein schlechtes Ergebnis, es ist ein ehrliches.

Nordstein zeigt qualifizierten Privatanlegern Schweizer Life-Science-Unternehmen, bevor die Schlagzeile kommt.

Bei jedem Mandat werden Plattform, mögliche Lizenz- und Übernahmepartner und die Finanzierungsreichweite dokumentiert, bevor es vorgestellt wird. Unterlagen nach Qualifikation, im vertraulichen Rahmen.

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Der Unterschied zwischen 2020 und 2026

Novartis zahlt heute 575 Millionen für etwas, das die Investoren von 2020 mit 23 Millionen finanziert haben. Dazwischen liegt alles, was dieses Geschäft ausmacht: Jahre ohne Kurs, ein Produkt, das scheiterte, und eine Plattform, die stärker war als das Produkt. Die Schlagzeile von 7.8 Milliarden ist die Verkürzung davon. Die Rendite liegt bei denen, die sie nicht gebraucht haben, weil sie vorher da waren.

Ob diese Position zu Ihnen passt, ist keine Frage der Gelegenheit, sondern des Profils. Der Eignungstest klärt in rund zwei Minuten, ob Horizont, Liquidität und Risikotragfähigkeit bei Ihnen gegeben sind. Ergibt er eine Eignung, folgt ein Gespräch, in dem Sie erfahren, welche Schweizer Unternehmen aktuell Kapital suchen. Ohne Verpflichtung. Ergibt er keine, haben Sie zwei Minuten investiert und wissen es.

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Angaben im Beitrag

Quellen: Medienmitteilung Abogen Biosciences vom 2. Oktober 2026 (Vertragsstruktur, Wirkmechanismus); Reuters und Quartz, 2. Oktober 2026; Frontaliere Ticino (Frankenbetrag CHF 480 Mio.). Finanzierungshistorie: Yicai Global, April 2021 (Series A November 2020 über 150 Mio. Yuan, Series B April 2021 über 91.6 Mio. USD mit Investoren); BioCentury, 19. August 2021 (Series C 700 bzw. 720 Mio. USD, Lead-Investoren); Medienmitteilung Abogen vom 29. November 2021 (Series C+ 300 Mio. USD, SoftBank Vision Fund, Gründungsjahr 2019); Bloomberg und Reuters, 30. September 2022 (Zulassung des Impfstoffs in Indonesien).

Der feste Anteil von 7.4 % ist aus 575 Mio. zu 7.775 Mrd. berechnet; die Umrechnung der Series A beruht auf dem Kurs von 2020 und ist gerundet. Bewertungen der Abogen-Finanzierungsrunden sind nicht publiziert; Aussagen zur Rendite einzelner Investorengruppen sind daher qualitativ und beziehen sich auf das Verhältnis der Rundengrössen. Entwicklungsstadium von ABO2203 gemäss Abogen („in klinischer Evaluation“). Beträge in US-Dollar, sofern nicht anders vermerkt.

Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Beteiligungen oder Finanzinstrumenten dar. Beteiligungen an nicht börsenkotierten Unternehmen können illiquide sein und bis zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

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