Redaktion KMU Beteiligungsforum Schweiz
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Am 22. Juli 2026 meldeten Neurimmune aus Schlieren und Royalty Pharma aus New York eine Vereinbarung über bis zu USD 425 Mio. Bemerkenswert daran: Es wurde keine einzige neue Aktie ausgegeben. Kein bestehender Eigentümer wurde verwässert.
Verkauft wurde etwas anderes, nämlich ein Teil künftiger Erlöse. Neurimmune hat den Antikörper Cliramitug entwickelt, der bei einer seltenen, tödlich verlaufenden Herzerkrankung bereits abgelagerte Eiweissfasern aus dem Herzmuskel entfernen soll. Die bisher zugelassenen Mittel bremsen nur die weitere Ablagerung. AstraZeneca bringt den Wirkstoff über die Tochter Alexion in der Phase-3-Studie DepleTTR-CM voran, Resultate werden 2028 erwartet. Aus künftigen weltweiten Verkäufen stünde Neurimmune eine Lizenzbeteiligung zu. Einen Teil davon hat das Unternehmen jetzt an Royalty Pharma verkauft, gegen Zahlung im Voraus. Die Mehrheit seiner Ansprüche, so CEO Roger Nitsch, behält Neurimmune.
Ein anderer Handel als eine Eigenkapitalrunde. Nicht Anteile gegen Geld, sondern künftiger Umsatz gegen heutiges Geld. Für Royalty Pharma ist das Alltag: Der Konzern kauft Lizenzansprüche im Milliardenumfang und hat für 2026 allein bis Anfang August Transaktionen über USD 1.7 Mrd. angekündigt. Der Markt für die betreffende Krankheit ist 2025 um über 40 % auf mehr als USD 7 Mrd. gewachsen; AstraZeneca rechnet für Cliramitug mit Spitzenumsätzen von 3 bis 5 Milliarden.
Und was heisst „bis zu“?
Die Struktur ist gestaffelt. 125 Millionen wurden sofort gezahlt. Weitere 125 Millionen sind für das erste Quartal 2027 vereinbart. Die restlichen 175 Millionen hängen an klinischen und regulatorischen Meilensteinen.
Fest zugesagt sind also 250 Millionen. Die verbleibenden 175 Millionen fliessen nur, wenn die Entwicklung ihre Ziele erreicht, bei einem Wirkstoff, dessen Phase-3-Resultate erst 2028 vorliegen. Royalty Pharma selbst nennt in seinem Quartalsbericht die 425 Millionen ausdrücklich als Obergrenze und die 125 Millionen als das, was tatsächlich geflossen ist.
Die Schlagzeile nennt die grösste Zahl. Der Vertrag nennt die Bedingungen.
Das ist kein Vorwurf an Neurimmune. Das Unternehmen hat die Staffelung in seiner Mitteilung offengelegt. Die Verkürzung entsteht erst danach, auf dem Weg von der Mitteilung in die Überschrift.
Den Weg nimmt jede Zahl
Diesen Weg nimmt jede Zahl, die Sie über ein privates Unternehmen erreicht.
Zwischen dem Vertrag und dem Satz, den Sie am Ende lesen, liegen mehrere Stationen: die Medienmitteilung, die eine Auswahl trifft. Die Redaktion, die kürzt. Und, wenn es um eine Beteiligung geht, ein Anbieter, der das Beste an der Meldung hervorhebt. Jede dieser Stationen entfernt Bedingungen und behält Zahlen.
Deshalb ist die nützlichste Gewohnheit bei ausserbörslichen Beteiligungen keine Kennzahl, sondern eine Frage, dieselbe, die aus dieser Meldung 425 Millionen auf 250 reduziert: Welcher Teil dieser Zahl ist vertraglich zugesagt, und welcher Teil ist an Bedingungen geknüpft?
Sie funktioniert bei jeder Grösse. Bei einer Finanzierungssumme, bei einer Umsatzprognose, bei einem angekündigten Börsengang. Und bei jeder Renditeangabe, die Ihnen ein Anbieter vorlegt, dieser eingeschlossen.
Wer sie stellt, braucht keinen privilegierten Zugang, um eine Meldung zu beurteilen. Er braucht nur die Bereitschaft, die Antwort schriftlich zu verlangen.
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Eine Voraussetzung, und drei weitere
Diese Bereitschaft ist die eine Voraussetzung. Es gibt noch drei weitere: Anlagehorizont, entbehrliche Liquidität, Tragfähigkeit im Verlustfall. Sie entscheiden darüber, ob ausserbörsliche Beteiligungen überhaupt in Ihr Portfolio gehören.
Der Eignungstest prüft das in rund zwei Minuten, bevor eine konkrete Gelegenheit im Raum steht. Das ist der richtige Zeitpunkt dafür. Danach ist die Antwort schwerer ehrlich.
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Angaben im Beitrag
Quellen: Medienmitteilung Neurimmune vom 22. Juli 2026; Royalty Pharma. Beträge in US-Dollar.
Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Beteiligungen oder Finanzinstrumenten dar. Beteiligungen an nicht börsenkotierten Unternehmen können illiquide sein und bis zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.