Schweizer Unternehmen entdecken, bevor sie an der Börse stehen.

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Wenn ein Unternehmen an die Börse geht, beginnt für viele Anleger die Geschichte. Für das Unternehmen läuft sie oft schon seit Jahren: Produkte wurden entwickelt, Kunden gewonnen und Wachstum finanziert. Unsere Analysen beleuchten diese Entwicklung. Sie erfahren, wie Unternehmen ausserhalb der Börse finanziert werden, wann Beteiligungsmöglichkeiten entstehen können und welche Fragen Anleger vor einem Einstieg stellen sollten.

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Redaktion KMU Beteiligungsforum Schweiz

ca. 12 Minuten

Rechenzentrum – Symbolbild zum Übergang eines Technologieunternehmens an den Kapitalmarkt

SCHWEIZER TECHNOLOGIE · VOM PRIVATEN UNTERNEHMEN AN DIE BÖRSE. Rechenzentrum: Symbolbild, keine Aufnahme von Infomaniak.

Der Börsengang von Infomaniak bietet einen aktuellen Anlass, diese Fragen genauer anzuschauen. Wie wurde das Schweizer Unternehmen vor seiner Kotierung finanziert? Und was lässt sich daraus über den Zugang zu ausserbörslichen Beteiligungen lernen?

Infomaniak ist jetzt an der Schweizer Börse handelbar. Das Technologieunternehmen wurde 1994 gegründet, beschäftigt heute mehr als 300 Mitarbeitende und zählt rund 300’000 zahlende Kunden in Europa. Mehr als drei Jahrzehnte Unternehmensgeschichte liegen also bereits hinter Infomaniak, bevor ein Privatanleger die Aktie erstmals einfach über sein Wertschriftendepot kaufen kann.

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Die Aktie ist neu. Das Unternehmen nicht.

Der Fall Infomaniak macht den Unterschied zwischen Unternehmen und Aktie besonders anschaulich. Das Unternehmen existiert seit 1994 und hat über Jahrzehnte Produkte entwickelt, Rechenzentren aufgebaut, Kunden gewonnen und sein Geschäft aus eigener Kraft erweitert. 2025 erzielte Infomaniak einen Umsatz von 54,2 Millionen Franken, nach 47,6 Millionen Franken im Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2026 waren es bereits rund 31 Millionen Franken.

Für den öffentlichen Kapitalmarkt beginnt die Geschichte trotzdem erst jetzt. Seit der Kotierung kann ein Anleger Infomaniak über ein gewöhnliches Wertschriftendepot kaufen. Vorher gab es keinen öffentlichen Handelsplatz, auf dem täglich ein Preis angezeigt wurde und jeder Anleger per Mausklick einsteigen konnte.

Das ist ein entscheidender Unterschied. Unternehmen beginnen nicht mit ihrem Börsengang, Wert zu schaffen. Sie entwickeln Produkte, gewinnen Kunden, investieren, wachsen und verändern ihren Unternehmenswert oft über viele Jahre, bevor überhaupt eine öffentlich handelbare Aktie existiert. Wer Unternehmen ausschliesslich über die Börse entdeckt, sieht deshalb zwangsläufig nur den Teil ihrer Entwicklung, der nach der Kotierung stattfindet.

Was passiert in den Jahren davor?

Bei vielen Unternehmen spielt sich ein erheblicher Teil der Finanzierung und Entwicklung ausserhalb der Börse ab. Gründer bringen zunächst eigenes Kapital ein, später können Business Angels, Venture-Capital-Gesellschaften, Private-Equity-Investoren, Family Offices oder andere Anleger hinzukommen. Ein wachsendes Unternehmen kann neue Aktien ausgeben, um beispielsweise eine Produktionsanlage zu finanzieren, international zu expandieren oder ein neues Produkt zur Marktreife zu bringen.

Daneben gibt es sogenannte Secondary-Transaktionen. Dabei fliesst das Geld nicht an das Unternehmen, sondern ein bestehender Aktionär verkauft einen Teil seiner Beteiligung an einen neuen Investor. Auch Unternehmensnachfolgen, Management-Buy-outs und strategische Beteiligungen können Anlegern Zugang zu Unternehmen verschaffen, deren Aktien an keiner Börse gehandelt werden.

Der wesentliche Unterschied zur Börse besteht darin, dass solche Möglichkeiten nicht permanent verfügbar sind. Es gibt keinen zentralen Marktplatz, auf dem jedes private Schweizer Unternehmen mit einem aktuellen Kauf- und Verkaufskurs erscheint. Eine konkrete Transaktion muss überhaupt erst stattfinden und für einen Anleger zugänglich sein.

Deshalb genügt es nicht, ein interessantes Unternehmen zu entdecken. Es muss gleichzeitig eine reale Beteiligungsmöglichkeit geben.

Und wie kommt ein Privatanleger an solche Beteiligungen?

Genau an dieser Stelle beginnen Private Markets. Zugang kann beispielsweise entstehen, wenn ein Unternehmen im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Investoren aufnimmt, wenn bestehende Aktionäre Anteile verkaufen oder wenn für Wachstum oder eine Nachfolgelösung neues Eigenkapital gesucht wird.

Für Privatanleger ist dieser Markt schwieriger zugänglich als die Börse. Informationen sind weniger zentral verfügbar, Beteiligungen müssen geprüft werden und häufig gelten Mindestanlagebeträge. Hinzu kommt, dass eine private Beteiligung nicht einfach am nächsten Morgen wieder über die Börse verkauft werden kann.

Das macht solche Investments nicht automatisch besser oder schlechter. Es macht sie anders.

Wer sich damit beschäftigt, muss deshalb nicht nur fragen, welches Unternehmen interessant aussieht. Entscheidend sind unter anderem Einstiegspreis, Unternehmensbewertung, Entwicklungsphase, Verwendung des neuen Kapitals, Beteiligungsbedingungen, mögliche Verwässerung und die Frage, unter welchen Umständen die Beteiligung später wieder verkauft werden könnte.

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Infomaniak zeigt gleichzeitig, warum „vor der Börse investieren“ nicht so einfach ist

Nun könnte man rückblickend auf Infomaniak schauen und sich fragen, warum man nicht einfach vor fünf oder zehn Jahren eingestiegen ist. Genau hier wäre allerdings Vorsicht angebracht, denn Infomaniak ist kein typischer Pre-IPO-Fall.

Nach Angaben des Unternehmens ist Infomaniak seit seiner Gründung ohne externes Eigenkapital gewachsen. Gewinne wurden über Jahre wieder in das Unternehmen investiert. Für einen gewöhnlichen Privatanleger gab es also nicht einfach eine öffentlich zugängliche Infomaniak-Finanzierungsrunde, bei der man einige Jahre vor der Börsenkotierung hätte einsteigen können.

Gerade deshalb eignet sich der Fall so gut, um den Unterschied zu erklären. Ein interessantes privates Unternehmen zu kennen bedeutet noch lange nicht, darin investieren zu können. Erst wenn Eigentümer Anteile verkaufen oder das Unternehmen selbst Kapital aufnimmt, kann überhaupt eine Beteiligungsmöglichkeit entstehen.

Der entscheidende Informationsvorsprung besteht deshalb nicht darin, möglichst früh den Namen eines Unternehmens gehört zu haben. Interessant wird es dann, wenn man erkennt, wann und warum Kapital gesucht wird, zu welcher Bewertung investiert werden kann und welche Entwicklung mit diesem Kapital finanziert werden soll.

Infomaniak ging zudem nicht über einen klassischen IPO an die Börse

Auch die Art der Kotierung ist ungewöhnlich. Infomaniak führte keinen klassischen Börsengang durch, bei dem neue Aktien öffentlich angeboten und dadurch frisches Kapital eingesammelt wurden. Stattdessen erfolgte der Schritt an die SIX über ein Reverse Takeover der bereits kotierten Perrot Duval Holding. Die bisherigen Infomaniak-Aktionäre erhielten neu ausgegebene Aktien der kotierten Gesellschaft, die anschliessend in Infomaniak SA umbenannt wurde.

Mit dieser Transaktion nahm Infomaniak kein neues Kapital auf. Das Unternehmen schuf vielmehr einen Zugang zum öffentlichen Kapitalmarkt. Sollte zukünftig Kapital für weitere Rechenzentren, Infrastruktur oder Expansion benötigt werden, stehen durch die Kotierung zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Schon daran erkennt man, warum die Schlagzeile „Unternehmen geht an die Börse“ wirtschaftlich sehr unterschiedliche Vorgänge beschreiben kann. Ein Börsengang kann neues Kapital ins Unternehmen bringen, bestehenden Aktionären Liquidität ermöglichen oder, wie im Fall Infomaniak, zunächst vor allem einen öffentlichen Handelsplatz schaffen.

Plötzlich kann jeder einen Preis sehen

Mit dem ersten Handelstag änderte sich deshalb vor allem eines: Infomaniak wurde öffentlich handelbar. Nun können Anleger laufend beobachten, welchen Preis Käufer und Verkäufer für die Aktie akzeptieren.

Der erste Börsenkurs lag bei 56 Franken. Während des ersten Handelstages wurden zeitweise erheblich höhere Kurse bezahlt. Daraus sollte allerdings nicht die Geschichte konstruiert werden, Anleger hätten vor dem Börsengang einfach günstiger kaufen und anschliessend einen sicheren Gewinn realisieren können. Eine solche frei zugängliche Möglichkeit gab es nicht.

Interessant ist vielmehr, was dieser Übergang sichtbar macht. Unternehmenswert entsteht lange vor einer Börsenkotierung. Einen täglich sichtbaren Marktpreis gibt es dagegen erst, wenn Käufer und Verkäufer an einem öffentlichen Handelsplatz aufeinandertreffen.

Private Unternehmen besitzen ebenfalls Bewertungen. Diese entstehen jedoch beispielsweise im Rahmen von Finanzierungsrunden, Kapitalerhöhungen oder Anteilsverkäufen und nicht durch Tausende tägliche Börsentransaktionen.

Für Anleger verändert das die Art der Analyse erheblich.

Früher investieren bedeutet nicht automatisch besser investieren

Der Gedanke, möglichst vor einem Börsengang beteiligt zu sein, klingt zunächst attraktiv. Er hat allerdings eine Kehrseite, die in der üblichen Pre-IPO-Werbung erstaunlich gern in sehr kleiner Schrift verschwindet.

Ein privates Unternehmen kann seine Wachstumsziele verfehlen. Eine spätere Finanzierungsrunde kann zu einer niedrigeren Bewertung stattfinden. Neue Aktien können bestehende Aktionäre verwässern. Ein geplanter Verkauf oder Börsengang kann Jahre später stattfinden als erwartet oder vollständig ausfallen. Gleichzeitig kann eine private Beteiligung über längere Zeit kaum oder gar nicht handelbar sein.

Wer früher investiert, übernimmt deshalb häufig Risiken, die bei einem etablierten börsenkotierten Unternehmen teilweise bereits reduziert wurden. Im Gegenzug kann ein grösserer Teil der möglichen Unternehmensentwicklung noch vor dem Investor liegen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Wie komme ich möglichst früh hinein?“

Sie lautet: „Zu welcher Bewertung steige ich ein, welches Risiko übernehme ich und welche Entwicklung muss das Unternehmen erreichen, damit diese Bewertung gerechtfertigt ist?“

Genau dort beginnt seriöse Beteiligungsanalyse.

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An der Börse sucht man Aktien. Im Private Market sucht man Unternehmen.

Für viele Privatanleger beginnt die Recherche mit einem Aktienkurs. Man sucht nach Unternehmen, deren Aktien bereits handelbar sind, betrachtet Chart, Kennzahlen und Analystenschätzungen und entscheidet anschliessend, ob man investieren möchte.

Im privaten Markt beginnt die Betrachtung früher. Dort geht es zunächst darum, welche Unternehmen Kapital aufnehmen, welche Investoren einsteigen, welche Bewertungen aufgerufen werden und welche konkreten Entwicklungsschritte mit dem Kapital finanziert werden sollen.

Ein Biotech-Unternehmen kann beispielsweise Kapital benötigen, um eine klinische Studie zu finanzieren. Ein Medtech-Unternehmen möchte ein Produkt zur Zulassung bringen. Ein Schweizer KMU sucht Kapital für eine internationale Expansion. Ein Technologieunternehmen finanziert eine neue Produktionsanlage. In jedem dieser Fälle kann sich durch das Erreichen des nächsten Meilensteins das Risikoprofil des Unternehmens verändern.

Nicht jede solche Finanzierung ist attraktiv. Nicht jedes Unternehmen erreicht seine Ziele und nicht jede hohe private Bewertung hält später am öffentlichen Markt stand.

Aber genau hier liegt der Punkt: Die wirtschaftliche Geschichte eines Unternehmens beginnt lange bevor seine Aktie erstmals an einer Börse erscheint.

Unitree: Was vor dem Börsengang geschah

Der chinesische Robotikhersteller Unitree wurde mit seinen vierbeinigen und humanoiden Robotern weltweit bekannt. Seit dem 19. August 2026 ist das Unternehmen am STAR Market in Shanghai kotiert.

Für Anleger lohnt sich der Blick auf die Zeit davor: Welche Investoren waren bereits beteiligt? Zu welchen Bewertungen fanden Finanzierungsrunden statt? Und wie unterschieden sich die Bedingungen früherer Beteiligungen vom Einstieg an der Börse?

Unsere Unitree-Fallstudie beschäftigt sich mit diesen Fragen. Sie hilft, Finanzierungsrunden, Unternehmensbewertungen und Beteiligungsbedingungen besser einzuordnen. Ein früher Einstieg allein sagt noch nichts darüber aus, ob eine Beteiligung wirtschaftlich sinnvoll war.

Die Analyse ist keine Empfehlung, in Unitree oder ein anderes Unternehmen zu investieren. Sie soll zeigen, wie sich Unitree vor dem Börsengang entwickelte und welche Fragen Anleger bei früheren Beteiligungen stellen sollten.

Der Börsengang ist der Ausstieg. Nicht immer der Einstieg.

Die Unitree-Fallstudie blickt zurück auf die Finanzierungsrunden, Unternehmensbewertungen und Beteiligungsbedingungen vor der Kotierung und ordnet Chancen und Risiken ein.

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Die spannendere Frage lautet deshalb nicht, was Infomaniak morgen kostet

Niemand weiss heute verlässlich, zu welchem Kurs Infomaniak in einigen Monaten oder Jahren gehandelt wird. Der erste Handelstag liefert dafür keine Antwort.

Der interessantere Aspekt dieser Geschichte ist ein anderer: Ein Schweizer Technologieunternehmen kann sich über Jahrzehnte entwickeln, bevor es für einen normalen Anleger erstmals über die Börse investierbar wird.

Infomaniak ist dabei nur das aktuelle Beispiel.

Auch heute entwickeln sich Unternehmen ausserhalb der Börse. Einige werden wachsen, andere scheitern. Manche werden übernommen, andere bleiben privat und einige werden möglicherweise irgendwann selbst an einer Börse erscheinen.

Wer sich ausschliesslich mit Unternehmen beschäftigt, die bereits börsenkotiert sind, sieht naturgemäss erst den öffentlichen Teil dieser Entwicklung.

Das KMU Beteiligungsforum beschäftigt sich deshalb mit der Phase davor: mit Schweizer Unternehmen, Finanzierungsrunden, ausserbörslichen Beteiligungen und Entwicklungen, die für Anleger relevant werden können, bevor daraus eine allgemeine Börsenschlagzeile entsteht.

Möchten Sie solche Entwicklungen künftig früher verfolgen?

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Quellenbasis

Infomaniak SA – Investor Relations und Unternehmensinformationen: Angaben zur Unternehmensgeschichte, Geschäftsentwicklung, Kotierung und Transaktionsstruktur.

Infomaniak SA – Corporate Governance: Angaben zur Aktien- und Eigentümerstruktur nach der Kotierung.

SIX Swiss Exchange: Angaben zur Kotierung von Infomaniak SA an der Schweizer Börse.

AWP/cash: Berichterstattung zum ersten Handelstag und zur Kursentwicklung der Infomaniak-Aktie.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Beteiligungen, Aktien oder anderer Finanzinstrumente dar. Ausserbörsliche Beteiligungen können mit erheblichen Risiken verbunden und nur eingeschränkt handelbar sein. Vergangene Entwicklungen, Bewertungen und Kurse erlauben keine verlässlichen Rückschlüsse auf zukünftige Wertentwicklungen.

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