Redaktion KMU Beteiligungsforum Schweiz
ca. 6 Minuten

DER DEAL AUF EINEN BLICK
Etched · Bewertungsverlauf 2023–2026 (USD)
Seed, März 2023
34 Mio.
5.4 Mio. von Angels
Series C, Juli 2026
10.3 Mrd.
300 Mio., Sequoia
August 2026
21 Mrd.
700 Mio., Jane Street
Oktober 2026
40–50 Mrd.
Angebote, keine Runde
Dreissig Jahre ist niemand von ihnen alt. Gavin Uberti, Chris Zhu und Robert Wachen haben Harvard abgebrochen, um einen Chip zu bauen, der nur eine einzige Sache kann: die Rechenart beschleunigen, mit der KI-Modelle Antworten erzeugen. Im März 2023 gaben ihnen ein paar Angel-Investoren 5.4 Millionen Dollar, zu einer Bewertung von 34 Millionen. Es gab keinen Chip, keinen Kunden, keinen Umsatz. Es gab drei Leute mit einer These.
Dreieinhalb Jahre später, am 5. Oktober 2026, berichtete TechCrunch, dass Etched Investitionsangebote prüft, die das Unternehmen mit 40 bis 50 Milliarden Dollar bewerten. Die 40 kämen von etablierten Investoren, die 50 von weniger bekannten. Die Gespräche seien früh, eine Runde nicht abgeschlossen. Sieben Wochen davor hatte das Handelshaus Jane Street 700 Millionen zu 21 Milliarden investiert. Einen Monat davor Sequoia 300 Millionen zu 10.3 Milliarden. Im Dezember 2025 lag die Bewertung bei 5 Milliarden.
Von 34 Millionen auf möglicherweise 50 Milliarden. Wer in der Seed-Runde dabei war, sieht auf dem Papier das Tausendfache, bevor ein einziger Chip in Serie gegangen ist. Das ist, in Reinform, was in den Private Markets gerade passiert. Es ist auch der Grund, warum man Bewertungen privater Unternehmen anders lesen muss als Börsenkurse.
Welche drei Studienabbrecher sitzen heute in einer Seed-Runde, über die 2029 jemand schreibt?
Die Angel-Investoren vom März 2023 hatten keinen Informationsvorsprung. Sie hatten Zugang zur Runde und die Bereitschaft, früh zu sein. Ob Sie die Voraussetzungen erfüllen, um an Finanzierungsrunden nicht kotierter Unternehmen teilzunehmen, zeigt der Eignungstest in zwei Minuten.
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Was eine private Bewertung ist, und was nicht
Ein Börsenkurs entsteht, wenn Tausende Käufer und Verkäufer täglich handeln. Eine private Bewertung entsteht, wenn ein Investor bereit ist, zu einem Preis einzusteigen, und das Unternehmen einverstanden ist. Die 21 Milliarden vom August sind kein Marktpreis für Etched. Sie sind der Preis, den Jane Street für einen kleinen Anteil zu zahlen bereit war, hochgerechnet auf das Ganze.
Jane Street ist dabei nicht nur Investor, sondern Kunde. Das Handelshaus hat eines der ersten Systeme getestet, gekauft, in sein Rechenzentrum gestellt und daraufhin die Runde angeführt. Das ist das stärkste Signal, das ein Hardware-Startup bekommen kann: Jemand, der das Produkt im Betrieb hat, zahlt den Aufschlag. Es ist aber auch ein Investor, dessen Urteil über die Technik und dessen Interesse am Erfolg der Firma nicht unabhängig voneinander sind.
Die Angebote bei 40 bis 50 Milliarden sind nochmals eine Stufe weniger fest. Es sind Angebote, keine Verträge. TechCrunch sagt nicht, wer sie macht, und nicht, ob es um neue Aktien geht, mit denen Etched Kapital aufnimmt, oder um Secondaries, bei denen bestehende Aktionäre verkaufen. Der Unterschied ist erheblich. Bei einer Primärrunde zu 50 Milliarden hält jemand das Unternehmen für 50 Milliarden wert und gibt ihm Geld. Bei einem Secondary zu 50 Milliarden ist jemand bereit, einem Frühinvestor zu diesem Preis Anteile abzukaufen, und der Frühinvestor ist bereit zu verkaufen. Im zweiten Fall macht der Seed-Investor von 2023 sein Tausendfaches tatsächlich zu Geld. Im ersten bleibt es auf dem Papier.
Wer verdient hat, und wer noch hofft
Die Seed-Investoren von 2023, darunter Peter Thiel und der frühere GitHub-Chef Thomas Dohmke, haben zu 34 Millionen gekauft. Primary Venture Partners und Positive Sum führten im Juni 2024 die Series A über 120 Millionen an, zu einer nicht publizierten, aber deutlich höheren Bewertung. Sequoia kam im Juli 2026 zu 10.3 Milliarden, Jane Street im August zu 21. Jede dieser Gruppen hält Anteile an derselben Firma. Jede hat einen anderen Einstiegspreis. Und bei 50 Milliarden hätte der Seed-Investor das Tausendfache, Sequoia das Fünffache, Jane Street das Doppelte, und wer jetzt zu 50 einsteigt, hat gar nichts, solange nicht jemand 100 zahlt.
Das ist die Rechnung, die in jeder Schlagzeile über eine Milliardenbewertung fehlt. Es gibt nicht „die Investoren“. Es gibt den, der 2023 drei Abbrechern 5.4 Millionen gab, und den, der 2026 zu 21 Milliarden einstieg. Dieselbe Firma, derselbe Chip, dieselben Angebote. Der Unterschied ist der Zeitpunkt, und er ist der ganze Unterschied.
Dazu kommt, was nicht bekannt ist: der Umsatz. Die Marge. Wie viele der bestellten Systeme ausgeliefert sind. Ob die Bestellungen über eine Milliarde, die Etched im Juli meldete, verbindlich sind. Was passiert, wenn Nvidia den Preis senkt. Ein Käufer an der Börse hätte das alles in einem Prospekt. Ein Investor bei 50 Milliarden hat es, wenn er Zugang zum Datenraum bekommt. Die Öffentlichkeit, die bei TechCrunch davon liest, hat nichts davon. Deshalb sagt die Zahl 50 Milliarden mehr über den Markt aus als über Etched: Im dritten Quartal 2026 zählte Crunchbase 27 KI-Finanzierungsrunden über je einer Milliarde. Etched ist ein Datenpunkt in dieser Serie.
Was das mit Schweizer KMU zu tun hat
Etched ist das Gegenteil dessen, womit wir uns sonst beschäftigen: kein Schweizer Unternehmen, keine Healthcare, keine Bewertung, die sich an Cashflows messen lässt. Der Fall ist trotzdem lehrreich, weil er in Zeitlupe zeigt, wie Wert in Finanzierungsrunden entsteht und wer ihn bekommt.
Die Mechanik ist bei einem Zürcher Medtech-Unternehmen dieselbe wie im Silicon Valley, nur mit kleineren Zahlen und messbareren Grundlagen. Piomic hat im September eine Runde über USD 25 Mio. abgeschlossen, NovaGo eine über CHF 24 Mio., beide mit institutionellen Lead-Investoren und bestehenden Aktionären, die nachlegten. Wer in solchen Runden dabei ist, hält Anteile zu einem Preis, der verhandelt wurde, und wartet auf den Tag, an dem ein Konzern oder ein Fonds den nächsten Preis setzt. Bei Etched kam dieser Tag alle paar Monate. Bei einem Schweizer Life-Science-KMU kommt er alle zwei bis drei Jahre, und am Ende steht meist keine Börse, sondern ein Käufer.
Drei Dinge gelten in beiden Welten. Erstens: Eine Bewertung gilt für den Moment, in dem sie vereinbart wurde, und für die Aktiengattung, für die sie vereinbart wurde. Die 21 Milliarden vom August waren im Oktober schon Geschichte, hier nach oben; bei Shein ging es in vier Jahren von 100 auf 26.5 Milliarden nach unten. Zweitens: Wer eine private Beteiligung hält, hält keinen Wert, sondern einen Anteil. Was er wert ist, zeigt sich, wenn jemand kauft. Drittens: Die Frage, die zählt, ist nicht, was die letzte Runde ergeben hat, sondern was das Unternehmen verdient, was es verdienen wird, und wer es am Ende zu welchem Vielfachen kauft. Bei einem Schweizer Zulieferer mit Umsatz und Marge lässt sich das beantworten. Bei Etched heute nicht, und das ist der Grund, warum die Angebote zehn Milliarden auseinanderliegen.
Nordstein zeigt qualifizierten Anlegern Schweizer KMU, deren Bewertung sich an Umsatz, Marge und vergleichbaren Übernahmen messen lässt.
Bei jedem Mandat werden Bewertungsgrundlage, bisherige Runden mit Preisen und die Exit-Perspektive dokumentiert, bevor ein Anleger entscheidet. Unterlagen nach Qualifikation, im vertraulichen Rahmen.
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Was dazugehört
Die Seed-Investoren von 2023 haben ihr Tausendfaches noch nicht auf dem Konto. Sie haben es auf dem Papier, und zwischen Papier und Konto liegen ein Secondary-Verkauf, ein Börsengang oder eine Übernahme, und jede dieser Türen kann zugehen, wenn der KI-Zyklus dreht. Wer 2023 eingestiegen ist, hat dreieinhalb Jahre ohne Ausstieg hinter sich. Und für jedes Etched gibt es Dutzende Chip-Startups, deren Seed-Runde das letzte Geld war, das sie je gesehen haben.
Wer eine solche Position einnehmen will, braucht deshalb, was diese Investoren hatten: einen Horizont von fünf bis zehn Jahren, Kapital, das in dieser Zeit nicht gebraucht wird, und die Bereitschaft, im schlechtesten Fall alles zu verlieren. Wer das nicht tragen kann, bleibt besser bei kotierten Aktien. Das ist ein legitimes Ergebnis.
Ob die andere Position zu Ihnen passt, klärt der Eignungstest in rund zwei Minuten. Ergibt er eine Eignung, folgt ein Gespräch, in dem Sie erfahren, welche Schweizer Unternehmen aktuell Kapital suchen. Ohne Verpflichtung. Ergibt er keine, haben Sie zwei Minuten investiert und wissen es.
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Angaben im Beitrag
Quellen: TechCrunch, 5. Oktober 2026 (Angebote 40–50 Mrd., Stand der Gespräche, Jane Street als Kunde, Bestellvolumen); TechCrunch, 18. August 2026 (Runde 700 Mio. zu 21 Mrd., Bewertungsverlauf seit Dezember 2025); Crunchbase News, 25. Juni 2024 (Series A 120 Mio., Primary Venture Partners, Positive Sum, TSMC-Partnerschaft); Wikipedia-Eintrag zu Etched mit Verweis auf Primärquellen (Gründung 2022, Seed März 2023 über 5.4 Mio. zu 34 Mio. Bewertung, Thiel Fellowship, Investoren Thiel, Dohmke, Masad, Vogt); AI Weekly, 6. Oktober 2026 (Crunchbase-Zahl zu Milliardenrunden Q3 2026). Alle Angaben zu den aktuellen Angeboten beruhen auf anonymen Quellen gegenüber TechCrunch; Etched hat sich nicht öffentlich geäussert. Die Vielfachen sind aus den genannten Bewertungen berechnet und berücksichtigen keine Verwässerung durch spätere Runden und keine Vorzugsrechte. Umsatz- und Ertragszahlen von Etched sind nicht publiziert. Beträge in US-Dollar.
Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Beteiligungen oder Finanzinstrumenten dar. Beteiligungen an nicht börsenkotierten Unternehmen können illiquide sein und bis zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.