Analyse

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ElevenLabs bei 22 Milliarden Dollar: Das Geld geht an die Aktionäre, nicht an die Firma

ElevenLabs bei 22 Milliarden Dollar: Das Geld geht an die Aktionäre, nicht an die Firma

ElevenLabs bei 22 Milliarden Dollar: Das Geld geht an die Aktionäre, nicht an die Firma

Die Bewertung verdoppelt, das Transaktionsvolumen dreistellig in Millionen, und trotzdem landet aus dieser Transaktion kein entsprechendes neues Kapital in der Firmenkasse. Wer die ElevenLabs-Meldung nur an der Schlagzeilenzahl misst, liest sie falsch.

Die Bewertung verdoppelt, das Transaktionsvolumen dreistellig in Millionen, und trotzdem landet aus dieser Transaktion kein entsprechendes neues Kapital in der Firmenkasse. Wer die ElevenLabs-Meldung nur an der Schlagzeilenzahl misst, liest sie falsch.

Die Bewertung verdoppelt, das Transaktionsvolumen dreistellig in Millionen, und trotzdem landet aus dieser Transaktion kein entsprechendes neues Kapital in der Firmenkasse. Wer die ElevenLabs-Meldung nur an der Schlagzeilenzahl misst, liest sie falsch.

KMU Beteiligungsforum Schweiz

ca. 11 Minuten

Mikrofon im dunklen Licht als Symbolbild für Sprachtechnologie

PRIVATE MARKETS | 30. September 2026

Die Bewertung verdoppelt, das Transaktionsvolumen dreistellig in Millionen, und trotzdem landet aus dieser Transaktion kein entsprechendes neues Kapital in der Firmenkasse. Wer die ElevenLabs-Meldung nur an der Schlagzeilenzahl misst, liest sie falsch. Der Unterschied zwischen einer Finanzierungsrunde und einem Secondary Tender entscheidet darüber, was die 22 Milliarden US-Dollar tatsächlich bedeuten.

Was passiert ist

Der KI-Sprachspezialist ElevenLabs hat Ende September einen Secondary Tender über 300 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Die Transaktion bewertet das 2022 gegründete Unternehmen mit 22 Milliarden US-Dollar. Bei der Series-D-Runde im Februar waren es noch 11 Milliarden. Die Bewertung hat sich innerhalb weniger Monate also verdoppelt.

Das sieht zunächst nach der nächsten Mega-Finanzierungsrunde aus dem KI-Sektor aus. Die Struktur der Transaktion erzählt jedoch eine andere Geschichte.

Neue Aktien oder bestehende Aktien

Bei einer klassischen Finanzierungsrunde gibt das Unternehmen neue Aktien aus und verkauft sie an Investoren. Das Geld fliesst an die Gesellschaft, steht ihr anschliessend für Entwickler, Rechenleistung, Expansion oder Zukäufe zur Verfügung und stärkt ihre Kapitalbasis. Im Private-Market-Jargon handelt es sich um eine Primary-Transaktion.

Bei einem Secondary Tender werden dagegen bereits bestehende Aktien gehandelt. Mitarbeiter, Gründer oder frühe Investoren verkaufen einen Teil ihrer Beteiligung an neue oder bisherige Geldgeber. Das Unternehmen organisiert den Rahmen der Transaktion, der Kaufpreis fliesst jedoch grundsätzlich vom Käufer an den verkaufenden Aktionär und nicht als neues Eigenkapital in die Gesellschaft.

Für ElevenLabs ist der Tender deshalb vor allem zweierlei: ein Liquiditätsereignis für Anteilseigner, die bislang auf Papiergewinnen sassen, und ein neuer Referenzpreis für die privaten Aktien des Unternehmens.

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Eine Rechnung, die die Schlagzeile relativiert

300 Millionen US-Dollar entsprechen rechnerisch knapp 1,4 Prozent einer Unternehmensbewertung von 22 Milliarden US-Dollar. Daraus lässt sich zwar nicht ableiten, dass tatsächlich exakt 1,4 Prozent des gesamten Aktienkapitals den Besitzer gewechselt haben, denn Aktiengattungen, Rechte und konkrete Transaktionsbedingungen können sich unterscheiden. Die Grössenordnung macht aber deutlich, warum eine Private-Market-Bewertung richtig eingeordnet werden muss.

Ein Bild aus dem Immobilienmarkt hilft. In einem Quartier mit vielen vergleichbaren Einfamilienhäusern wechselt ein Haus für zwei Millionen Franken den Besitzer. Dieser Verkauf wird anschliessend zum Referenzpunkt für die Bewertung ähnlicher Häuser in der Umgebung. Der Preis ist real, weil ein Käufer ihn tatsächlich bezahlt hat. Ob jedoch sämtliche Häuser des Quartiers gleichzeitig zu diesem Preis Käufer finden würden, weiss niemand. Und die Quartierkasse hat vom Verkauf ebenfalls keinen Franken gesehen.

Ähnlich funktioniert die Bewertung privater Unternehmen. Ein tatsächlich gezahlter Preis für einen begrenzten Teil der Aktien kann zum Referenzpunkt werden, aus dem der Wert des gesamten Unternehmens abgeleitet wird. Die 22 Milliarden US-Dollar sind deshalb keineswegs eine erfundene Zahl. Sie sind aber auch nicht mit 22 Milliarden US-Dollar verfügbarem Unternehmensvermögen oder einem jederzeit realisierbaren Börsenwert gleichzusetzen.

Warum Investoren diesen Preis akzeptieren

Dass eine Bewertung von 22 Milliarden US-Dollar zustande kommt, hat nachvollziehbare operative Gründe. ElevenLabs entwickelt Systeme für synthetische Sprache und sogenannte Voice Agents, also Software, die Telefongespräche und andere sprachbasierte Kundeninteraktionen automatisieren kann. Nach Unternehmensangaben verarbeiten diese Systeme inzwischen mehr als 15 Millionen Gespräche pro Woche. Das ist etwa dreimal so viel wie noch im Februar. Würde dieses Niveau über ein Jahr konstant bleiben, entspräche das rechnerisch mehr als 780 Millionen Gesprächen.

Eingesetzt wird die Technologie unter anderem bei Rückerstattungen, Versicherungsverlängerungen, Terminbuchungen und anderen standardisierbaren Serviceprozessen. Gleichzeitig gibt ElevenLabs an, dass sich der Annual Recurring Revenue seines ElevenAgents-Geschäfts seit Februar mehr als verdreifacht habe. Hinter dem gestiegenen Unternehmenswert steht damit zumindest eine deutlich gewachsene Nutzung des Produkts und nicht nur die allgemeine Begeisterung für künstliche Intelligenz.

Hinzu kommt die Nachfrageseite. Institutionelle Investoren suchen Zugang zu führenden privaten KI-Unternehmen, während entsprechende Beteiligungsmöglichkeiten begrenzt sind. Der Tender wurde von Wellington Management und T. Rowe Price angeführt. Zu den neuen Investoren zählen nach Angaben von ElevenLabs unter anderem EQT, Goldman Sachs, GIC, Ontario Teachers’ Pension Plan, Sapphire Ventures sowie BDT & MSD. Bestehende Investoren wie Andreessen Horowitz und Lightspeed beteiligten sich ebenfalls.

Der Vergleich mit Februar zeigt, worauf es ankommt

Besonders anschaulich wird der Unterschied, wenn man den aktuellen Tender mit der Finanzierungsrunde vom Februar vergleicht. Damals nahm ElevenLabs in einer Series-D-Runde 500 Millionen US-Dollar auf. Die Transaktion bewertete das Unternehmen mit 11 Milliarden US-Dollar, das Kapital floss jedoch tatsächlich an ElevenLabs und konnte für Forschung, Produktentwicklung und internationale Expansion eingesetzt werden.

Ende September stehen nun 300 Millionen US-Dollar Transaktionsvolumen und eine Bewertung von 22 Milliarden US-Dollar in der Schlagzeile. Die Zahlen wirken ähnlich, wirtschaftlich handelt es sich aber um zwei grundverschiedene Vorgänge. Im Februar wurde neues Kapital in das Unternehmen investiert. Beim jetzigen Tender erhalten bestehende Anteilseigner Liquidität, während gleichzeitig ein neuer Preis für die privaten Aktien festgestellt wird.

Genau diese Unterscheidung geht bei Meldungen über Private-Market-Bewertungen schnell verloren. Eine grosse Transaktionssumme beantwortet für sich genommen noch nicht die Frage, ob ein Unternehmen neues Kapital aufgenommen hat.

Was der Tender für die Verkäufer bedeutet

Mitarbeiter und frühe Investoren halten Beteiligungen an privaten Unternehmen häufig über Jahre, ohne sie ohne Weiteres verkaufen zu können. Der Wert ihrer Aktien kann auf dem Papier stark steigen, ohne dass daraus unmittelbar verfügbares Vermögen entsteht. Ein Secondary Tender schafft deshalb etwas, das in privaten Märkten naturgemäss knapp ist: Liquidität.

Für ein junges Unternehmen im Wettbewerb um Spitzenkräfte hat das auch eine praktische Funktion. Aktienoptionen und Unternehmensanteile sind als Vergütung attraktiver, wenn Mitarbeiter nicht zwingend bis zu einem Börsengang oder einer Übernahme warten müssen, bevor sie einen Teil ihres Beteiligungswertes realisieren können.

Allerdings ist auch hier Vorsicht bei zu einfachen Vergleichen geboten. Mitarbeiter und Gründer halten häufig andere Aktiengattungen als institutionelle Investoren. Vorzugsrechte, Liquidationspräferenzen und weitere vertragliche Bestimmungen können dazu führen, dass nicht jede Aktie wirtschaftlich exakt denselben Wert besitzt. Welche Aktien im Rahmen eines Tenders verkauft werden dürfen und zu welchen Bedingungen, ist deshalb keineswegs nebensächlich.

Was ein privater Preis nicht sagt

Bei einer börsenkotierten Gesellschaft treffen laufend Kauf- und Verkaufsaufträge aufeinander. Der Marktpreis wird während des Handels ständig neu bestimmt und zeigt, zu welchem Preis Anleger aktuell bereit sind, Aktien zu kaufen oder zu verkaufen.

Bei einem privaten Unternehmen finden solche Transaktionen wesentlich seltener statt. Eine einzelne Finanzierungsrunde oder ein Secondary Tender kann deshalb über Monate zum wichtigsten Referenzpunkt für die Bewertung des gesamten Unternehmens werden. Das ist kein Fehler des Systems, sondern eine grundlegende Eigenschaft privater Märkte.

Für Anleger ergeben sich daraus drei einfache Fragen, die bei praktisch jeder Meldung über eine neue Private-Market-Bewertung gestellt werden sollten: Wer kauft die Aktien, wer verkauft sie und wohin fliesst das Geld?

Im Fall ElevenLabs kaufen institutionelle Investoren bestehende Aktien, Mitarbeiter und andere bestehende Anteilseigner erhalten dafür Liquidität, und aus dem Tender selbst fliesst kein entsprechendes neues Eigenkapital an das Unternehmen. Erst mit dieser Information bekommt die Schlagzeile von der 22-Milliarden-Dollar-Bewertung ihre eigentliche Bedeutung.

Ein Preis ist noch kein Exit

Die Verdoppelung der Bewertung von 11 auf 22 Milliarden US-Dollar innerhalb weniger Monate ist ein starkes Marktsignal. Mit dem laufend gebildeten Kurs einer börsenkotierten Aktie ist dieser Wert dennoch nicht gleichzusetzen. Für diejenigen, die im Tender verkauft haben, wurde ein Teil des bisherigen Papierwerts tatsächlich zu Bargeld. Für alle anderen bleibt die Bewertung zunächst ein Preis, der in einer konkreten privaten Transaktion für einen begrenzten Teil der Aktien akzeptiert wurde.

Das schmälert die Bedeutung des Deals nicht. Im Gegenteil: Dass professionelle Investoren bereit sind, zu dieser Bewertung Kapital einzusetzen, ist selbst eine relevante Information. Man muss nur unterscheiden zwischen dem Preis, den Investoren für Aktien bezahlen, dem Kapital, das ein Unternehmen tatsächlich erhält, und dem Betrag, der sich bei einem späteren vollständigen Exit tatsächlich realisieren lässt.

Genau diese Unterschiede verschwinden in einer Schlagzeile schnell hinter einer beeindruckenden Zahl.

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Quellenbasis

ElevenLabs, 30. September 2026: Unternehmensmitteilung zum Employee Tender über 300 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 22 Milliarden US-Dollar. Primärquelle für Transaktionsstruktur, beteiligte Investoren sowie die Angaben zu mehr als 15 Millionen Gesprächen pro Woche und der Entwicklung von ElevenAgents.

Reuters, 30. September 2026: Berichterstattung über den 300-Millionen-US-Dollar-Tender und die Verdoppelung der Unternehmensbewertung auf 22 Milliarden US-Dollar. Unabhängige Quelle zur Einordnung der Transaktion und der beteiligten Investoren.

ElevenLabs, 4. Februar 2026: Unternehmensmitteilung zur Series-D-Finanzierungsrunde über 500 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 11 Milliarden US-Dollar. Primärquelle für den Vergleich mit der vorherigen Primary-Finanzierung.

Reuters, 4. Februar 2026: Berichterstattung über die Series-D-Runde und die damalige Bewertung von ElevenLabs.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.

Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Beteiligungen oder Finanzinstrumenten dar. Beteiligungen an nicht börsenkotierten Unternehmen können illiquide sein und bis zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

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