Analyse

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Private Round trifft Börsenpreis: Was der Electra-IPO über den Übergang vom Private zum Public Market zeigt

Private Round trifft Börsenpreis: Was der Electra-IPO über den Übergang vom Private zum Public Market zeigt

Private Round trifft Börsenpreis: Was der Electra-IPO über den Übergang vom Private zum Public Market zeigt

Drei private Preise treffen auf den ersten öffentlichen Marktpreis – und machen den Übergang vom Private zum Public Market sichtbar.

Drei private Preise treffen auf den ersten öffentlichen Marktpreis – und machen den Übergang vom Private zum Public Market sichtbar.

Drei private Preise treffen auf den ersten öffentlichen Marktpreis – und machen den Übergang vom Private zum Public Market sichtbar.

Redaktion KMU Beteiligungsforum Schweiz

ca. 8 Minuten

Kursdaten auf einem Börsenbildschirm als Illustration zum Electra-IPO

Am 18. September 2026 wurden die Aktien von Electra Therapeutics zum ersten Mal an der Nasdaq gehandelt. Ausgabepreis USD 15, in der Mitte der Spanne von 14 bis 16, aufgestockt von 21.7 auf 23.3 Millionen Aktien, Erlös USD 350 Mio., Bewertung rund USD 940 Mio. Das Buch war laut Bloomberg mehrfach überzeichnet. Am Abend schloss die Aktie bei 13.25, knapp 12 % unter dem Ausgabepreis.

So weit die Meldung. Das Interessante steht nicht in der Meldung, sondern im Prospekt, den Electra bei der US-Börsenaufsicht eingereicht hat. Dort ist, was in privaten Unternehmen sonst niemand sieht, zum ersten Mal öffentlich: zu welchem Preis jede einzelne Finanzierungsrunde stattgefunden hat, wer dabei war, und was mit diesen Preisen passiert, wenn ein Markt übernimmt.

Es ist eine seltene Gelegenheit, den Übergang vom Private zum Public Market an einem echten Fall nachzurechnen. Und er sieht anders aus, als die Schlagzeile „Erfolgreicher Börsengang“ vermuten lässt.

Am 18. September 2026 wurden die Aktien von Electra Therapeutics erstmals an der Nasdaq gehandelt. Der Ausgabepreis lag bei USD 15, die Aktie schloss am ersten Tag bei USD 13.25. Im Prospekt werden damit private Preise sichtbar, die sonst kaum öffentlich nachvollziehbar sind.


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Drei Runden, drei Preise

Electra wurde 2018 als Tochter von Star Therapeutics gegründet und entwickelt Antikörper, die überaktive Immunzellen gezielt ausschalten sollen. Der Hauptwirkstoff Ipsoprubart richtet sich gegen eine seltene, oft tödliche Überreaktion des Immunsystems, für die es keine zugelassene Therapie gibt. In einer Phase-1b-Studie mit zwölf Patienten überlebten alle die ersten acht Wochen; historisch sind es etwa die Hälfte. Die FDA hat den Wirkstoff als Breakthrough Therapy eingestuft.

Die Finanzierung dieser Entwicklung lässt sich im Prospekt Zeile für Zeile nachlesen. Alle folgenden Preise sind um den Aktiensplit bereinigt, den Electra acht Tage vor dem Börsengang durchgeführt hat, damit sie mit dem Ausgabepreis vergleichbar sind.

Series A: Star Therapeutics zahlte umgerechnet USD 2.31 je Aktie, insgesamt rund 35 Millionen. Series B, Februar 2022: Westlake Biopartners und OrbiMed führten eine Runde über 84 Millionen an, zu USD 13.55 je Aktie. Das Sechsfache der Series A, in vier Jahren.

Dann Series C, Oktober 2025: USD 10.16 je Aktie. Ein Viertel weniger als in der Series B, dreieinhalb Jahre später. Co-Lead waren Nextech Invest aus Zürich und EQT Life Sciences, dazu Sanofi. Die Runde brachte in der ersten Tranche 134 Millionen, davon 41 Millionen aus Wandeldarlehen, die bestehende Investoren vorher gewährt hatten und die nun zum tieferen Preis in Aktien umgewandelt wurden. Eine zweite Tranche war bis Oktober 2026 vereinbart.

Eine Down Round also, bei einem Unternehmen mit Breakthrough-Status und beeindruckenden Frühdaten. Wer nur die Medienmitteilung von damals gelesen hat, in der von einer Series C über 183 Millionen die Rede war, hat davon nichts erfahren. Der Preis stand nicht drin.

Was der Börsengang mit diesen Preisen macht

Am 18. September setzte der Markt zum ersten Mal einen eigenen Preis. USD 15 im Angebot, 13.25 am Abend. Was das für jede Gruppe bedeutet, lässt sich jetzt ausrechnen.

Die Series-A-Investoren halten Aktien, die sie zu 2.31 gekauft haben, und sehen beim Schlusskurs das 5.7-Fache. Acht Jahre Wartezeit, aber ein Ergebnis, das jede andere Anlageklasse in den Schatten stellt.

Die Series-C-Investoren, elf Monate dabei, liegen beim Schlusskurs 30 % im Plus. Sie sind zum tiefsten Preis seit 2022 eingestiegen und haben den Aufschlag des Börsengangs mitgenommen. Nextech und EQT haben in der schwierigsten Phase des Unternehmens Kapital gegeben und dafür den besten Preis bekommen. Das ist kein Zufall, das ist der Preis für Kapital in einer Down Round.

Die Series-B-Investoren haben 2022 zu 13.55 gekauft. Beim Ausgabepreis von 15 lagen sie 11 % im Plus, nach viereinhalb Jahren. Beim Schlusskurs von 13.25 liegen sie zwei Prozent im Minus. Westlake ist mit 10.4 % der grösste Aktionär nach dem Börsengang, OrbiMed hält 9.1 %. Beide sind an eine Sperrfrist gebunden und können vorerst nicht verkaufen.

Und wer am ersten Handelstag zu 15 gezeichnet hat, hatte am Abend 12 % verloren.

Dieselbe Firma, derselbe Prospekt, dieselben zwölf Patienten. Fünf Gruppen, fünf Ergebnisse, und die Reihenfolge des Einstiegs erklärt sie nicht allein. Die Series C kam nach der Series B und steht besser da. Was zählt, ist der Preis, nicht der Zeitpunkt.


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Drei Dinge, die der Prospekt sonst noch verrät

Erstens: Die Preise der privaten Runden galten für Vorzugsaktien mit Vorrang im Verkaufsfall. Beim Börsengang wurden alle in gewöhnliche Aktien umgewandelt. Der Schutz, den die Series-B-Investoren 2022 ausgehandelt hatten, ist seit dem 18. September weg. Sie stehen jetzt in derselben Reihe wie jeder, der an der Nasdaq kauft. Das ist der Preis der Handelbarkeit.

Zweitens: Trotz USD 301 Mio. privatem Kapital seit Gründung hatte der Wirtschaftsprüfer im Abschluss 2025 einen Going-concern-Vorbehalt angebracht, also erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit ohne frisches Geld. Ende Juni 2026 lagen noch 98 Millionen in der Kasse, bei einem Halbjahresverlust von 49 Millionen. Der Börsengang war keine Kür. Er war die Finanzierung, die das Unternehmen brauchte, und mit ihm reicht das Geld nach eigenen Angaben bis 2029. 220 Millionen davon gehen in die Zulassungsstudie.

Drittens: Die entscheidende Studie SURPASS ist einarmig und offen, ohne Placebogruppe, mit einer historischen Vergleichskohorte als Kontrolle. Electra schreibt im Prospekt selbst, dass die FDA diesen Ansatz trotz vorheriger Abstimmung ablehnen und eine randomisierte Studie verlangen könnte. Der Abschluss der Rekrutierung ist für die zweite Hälfte 2027 geplant. Zwischen heute und dem ersten Umsatz liegen also mindestens zwei Jahre, ein Studienergebnis und ein Zulassungsentscheid.


Was die Zürcher Beteiligung zeigt

Dass Nextech Invest aus Zürich eine Series C in South San Francisco co-leadet und elf Monate später den Börsengang an der Nasdaq erlebt, ist für den Schweizer Markt aufschlussreich. Es zeigt, wo die Rendite in diesem Geschäft entsteht: nicht am ersten Handelstag, sondern in der Runde, in der niemand sonst investieren wollte. Nextech hat zu 10.16 gekauft, als die Series-B-Investoren bereits unter Wasser waren, und kann heute, bei Kursen um 13, ein Plus ausweisen, während die Anleger vom 18. September ein Minus haben.

Das ist die Position, um die es bei Direktbeteiligungen geht. Sie erfordert drei Dinge, die der Käufer an der Nasdaq nicht braucht: Zugang zur Runde, die Fähigkeit, den Preis zu beurteilen, und die Bereitschaft, Jahre zu warten, ohne dass ein Kurs sagt, ob man richtig lag.

Was der Fall nicht sagt

Electra ist kein Beweis, dass private Runden immer besser sind als der Börsengang. Die Series-B-Investoren haben viereinhalb Jahre gewartet und liegen heute leicht im Minus. Und ob Ipsoprubart je zugelassen wird, entscheidet eine Studie, deren Design die FDA noch ablehnen kann. Wer 2022 eingestiegen ist, hat bis heute keine Rendite, nur ein handelbares Papier.

Was der Fall zeigt, ist die Mechanik. Eine private Bewertung ist ein Verhandlungsergebnis für eine bestimmte Aktiengattung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die nächste Runde kann sie nach unten korrigieren, wie 2025. Der Börsengang kann sie nach oben korrigieren, wie am 18. September. Und der Markt kann sie am selben Tag wieder nach unten korrigieren, wie am Abend des 18. September. Wer eine Beteiligung hält, hält nicht den Wert der letzten Runde. Er hält einen Anteil an einem Unternehmen, dessen Wert erst beim Verkauf feststeht.

Für Anleger heisst das: Die Frage vor dem Einstieg lautet nicht, wie hoch die Bewertung ist, sondern zu welchem Preis je Aktie, mit welchen Rechten, und was in der Historie davor steht. Eine Down Round in der Vergangenheit ist kein Ausschlusskriterium, sie kann der beste Einstieg sein, wie Nextech zeigt. Aber sie muss bekannt sein.

Ausserbörsliche Beteiligungen verlangen einen Horizont von fünf bis zehn Jahren, Kapital, das in dieser Zeit nicht abrufbar ist, und die Bereitschaft, einen Totalverlust zu tragen. Der Eignungstest klärt in rund zwei Minuten, ob das zu Ihnen passt. Auch ein Nein ist ein brauchbares Ergebnis.

Drei Dinge, die der Prospekt sonst noch verrät

Erstens: Die Preise der privaten Runden galten für Vorzugsaktien mit Vorrang im Verkaufsfall. Beim Börsengang wurden alle in gewöhnliche Aktien umgewandelt. Der Schutz, den die Series-B-Investoren 2022 ausgehandelt hatten, ist seit dem 18. September weg. Sie stehen jetzt in derselben Reihe wie jeder, der an der Nasdaq kauft. Das ist der Preis der Handelbarkeit.

Zweitens: Trotz USD 301 Mio. privatem Kapital seit Gründung hatte der Wirtschaftsprüfer im Abschluss 2025 einen Going-concern-Vorbehalt angebracht, also erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit ohne frisches Geld. Ende Juni 2026 lagen noch 98 Millionen in der Kasse, bei einem Halbjahresverlust von 49 Millionen. Der Börsengang war keine Kür. Er war die Finanzierung, die das Unternehmen brauchte, und mit ihm reicht das Geld nach eigenen Angaben bis 2029. 220 Millionen davon gehen in die Zulassungsstudie.

Drittens: Die entscheidende Studie SURPASS ist einarmig und offen, ohne Placebogruppe, mit einer historischen Vergleichskohorte als Kontrolle. Electra schreibt im Prospekt selbst, dass die FDA diesen Ansatz trotz vorheriger Abstimmung ablehnen und eine randomisierte Studie verlangen könnte. Der Abschluss der Rekrutierung ist für die zweite Hälfte 2027 geplant. Zwischen heute und dem ersten Umsatz liegen also mindestens zwei Jahre, ein Studienergebnis und ein Zulassungsentscheid.

Was die Zürcher Beteiligung zeigt

Dass Nextech Invest aus Zürich eine Series C in South San Francisco co-leadet und elf Monate später den Börsengang an der Nasdaq erlebt, ist für den Schweizer Markt aufschlussreich. Es zeigt, wo die Rendite in diesem Geschäft entsteht: nicht am ersten Handelstag, sondern in der Runde, in der niemand sonst investieren wollte. Nextech hat zu 10.16 gekauft, als die Series-B-Investoren bereits unter Wasser waren, und kann heute, bei Kursen um 13, ein Plus ausweisen, während die Anleger vom 18. September ein Minus haben.

Das ist die Position, um die es bei Direktbeteiligungen geht. Sie erfordert drei Dinge, die der Käufer an der Nasdaq nicht braucht: Zugang zur Runde, die Fähigkeit, den Preis zu beurteilen, und die Bereitschaft, Jahre zu warten, ohne dass ein Kurs sagt, ob man richtig lag.

Was der Fall nicht sagt

Electra ist kein Beweis, dass private Runden immer besser sind als der Börsengang. Die Series-B-Investoren haben viereinhalb Jahre gewartet und liegen heute leicht im Minus. Und ob Ipsoprubart je zugelassen wird, entscheidet eine Studie, deren Design die FDA noch ablehnen kann. Wer 2022 eingestiegen ist, hat bis heute keine Rendite, nur ein handelbares Papier.

Was der Fall zeigt, ist die Mechanik. Eine private Bewertung ist ein Verhandlungsergebnis für eine bestimmte Aktiengattung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die nächste Runde kann sie nach unten korrigieren, wie 2025. Der Börsengang kann sie nach oben korrigieren, wie am 18. September. Und der Markt kann sie am selben Tag wieder nach unten korrigieren, wie am Abend des 18. September. Wer eine Beteiligung hält, hält nicht den Wert der letzten Runde. Er hält einen Anteil an einem Unternehmen, dessen Wert erst beim Verkauf feststeht.

Für Anleger heisst das: Die Frage vor dem Einstieg lautet nicht, wie hoch die Bewertung ist, sondern zu welchem Preis je Aktie, mit welchen Rechten, und was in der Historie davor steht. Eine Down Round in der Vergangenheit ist kein Ausschlusskriterium, sie kann der beste Einstieg sein, wie Nextech zeigt. Aber sie muss bekannt sein.

Ausserbörsliche Beteiligungen verlangen einen Horizont von fünf bis zehn Jahren, Kapital, das in dieser Zeit nicht abrufbar ist, und die Bereitschaft, einen Totalverlust zu tragen. Der Eignungstest klärt in rund zwei Minuten, ob das zu Ihnen passt. Auch ein Nein ist ein brauchbares Ergebnis.

Angaben im Beitrag

Quellen: Prospekt (Form 424B4) und Registrierungserklärung (Form S-1) von Electra Therapeutics, Inc., eingereicht bei der SEC am 17. September 2026 bzw. zuvor; Medienmitteilung Electra vom 17. September 2026; MedCity News und allsci vom 18. September 2026; Reuters vom 14. September 2026; Bloomberg. Die splitbereinigten Preise sind aus den im S-1 ausgewiesenen Originalpreisen berechnet und gerundet. Die Renditeangaben sind rechnerisch und berücksichtigen keine Vorzugsrechte, Verwässerungsschutzklauseln oder die zweite Tranche der Series C. Beträge in US-Dollar.

Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Beteiligungen oder Finanzinstrumenten dar. Beteiligungen an nicht börsenkotierten Unternehmen können illiquide sein und bis zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Beteiligungen oder Finanzinstrumenten dar. Beteiligungen an nicht börsenkotierten Unternehmen können illiquide sein und bis zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.