Analyse

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Vom Prototyp zur Präklinik: Wo bei einem Schweizer Medtech plötzlich Unternehmenswert entsteht

Vom Prototyp zur Präklinik: Wo bei einem Schweizer Medtech plötzlich Unternehmenswert entsteht

Vom Prototyp zur Präklinik: Wo bei einem Schweizer Medtech plötzlich Unternehmenswert entsteht

Bei einem jungen Medtech-Unternehmen lässt sich der Wert nicht einfach aus dem aktuellen Gewinn oder einem Börsenkurs ableiten. Entscheidend ist, was mit dem Kapital seit der letzten Runde erreicht wurde und welche Risiken auf dem Weg zum marktfähigen Medizinprodukt inzwischen beseitigt werden konnten.

Bei einem jungen Medtech-Unternehmen lässt sich der Wert nicht einfach aus dem aktuellen Gewinn oder einem Börsenkurs ableiten. Entscheidend ist, was mit dem Kapital seit der letzten Runde erreicht wurde und welche Risiken auf dem Weg zum marktfähigen Medizinprodukt inzwischen beseitigt werden konnten.

Bei einem jungen Medtech-Unternehmen lässt sich der Wert nicht einfach aus dem aktuellen Gewinn oder einem Börsenkurs ableiten. Entscheidend ist, was mit dem Kapital seit der letzten Runde erreicht wurde und welche Risiken auf dem Weg zum marktfähigen Medizinprodukt inzwischen beseitigt werden konnten.

KMU Beteiligungsforum Schweiz

ca. 13 Minuten

Symbolbild: Forschungsgeräte auf einem Labortisch

SCHWEIZER MEDTECH | 1. Oktober 2026

Bei einem jungen Medtech-Unternehmen lässt sich der Wert nicht einfach aus dem aktuellen Gewinn oder einem Börsenkurs ableiten. Trotzdem können zwischen zwei Finanzierungsrunden erhebliche Wertveränderungen entstehen. Entscheidend ist, was mit dem Kapital seit der letzten Runde erreicht wurde und welche Risiken auf dem Weg zum marktfähigen Medizinprodukt inzwischen beseitigt werden konnten.

Das Berner Medtech-Unternehmen Aseptuva liefert dafür ein aktuelles Beispiel. Nach einer Seed-Finanzierung über 2,4 Millionen Franken hat das Unternehmen seine Technologie vom frühen Prototyping bis zur präklinischen Validierung weiterentwickelt. Nun öffnet Aseptuva eine Series-A-Runde über 5 Millionen Franken. Der Fall zeigt, wie eng Kapital, wissenschaftlicher Fortschritt, Risiko und Bewertung bei frühen Life-Science-Unternehmen miteinander verbunden sind.

Was Aseptuva entwickelt

Aseptuva ist ein schweizerisch-britisches Medtech-Unternehmen mit Sitz der Schweizer Gesellschaft in Bern. Das Unternehmen entwickelt eine Far-UVC-Technologie zur Prävention von im Spital erworbenen Infektionen, insbesondere von Blutstrominfektionen im Zusammenhang mit intravenösen Kathetern. Dabei soll der Bereich unmittelbar an der Eintrittsstelle des Katheters gezielt mit Far-UVC-Licht desinfiziert werden. Das medizinische Problem dahinter ist konkret. Mikroorganismen können sich rund um die Eintrittsstelle eines Katheters ansiedeln und im weiteren Verlauf zu Infektionen führen. Aseptuvas Ansatz zielt darauf ab, die mikrobielle Belastung bereits an dieser Stelle zu reduzieren und damit das Infektionsrisiko sowie langfristig auch den Bedarf an Antibiotika zu senken. Dass die Technologie dieses Ziel tatsächlich unter klinischen Bedingungen erreicht, muss allerdings Schritt für Schritt nachgewiesen werden. Genau darin liegt für Investoren der entscheidende Unterschied zwischen einer interessanten technischen Idee und einem später marktfähigen Medizinprodukt.

Was aus den ersten 2,4 Millionen Franken geworden ist

Aseptuva schloss 2025 eine Seed-Runde über 2,4 Millionen Franken ab. Zu den Investoren gehörten unter anderem Simon Michel, CEO von Ypsomed, Roger Nitsch von Neurimmune, Armin Diethelm sowie Auxinam und weInvest. Bestehende Investoren wie Valuemaker und Fortyone beteiligten sich ebenfalls.

Interessanter als die Liste der Geldgeber ist jedoch, was zwischen dieser Runde und der nächsten passiert ist. Nach Angaben des Unternehmens und der Greater Geneva Bern area hat Aseptuva die Technologie vom frühen Prototyping bis zur präklinischen Validierung weiterentwickelt. Das Team führte mehr als 50 Interviews mit medizinischem Fachpersonal an acht Spitälern in Europa und den USA, entwickelte funktionale Prototypen mit Partnern wie Philips Innovation Services, Fraunhofer FEP und dem Laser Zentrum Hannover und absolvierte präklinische Wirksamkeitstests in Grossbritannien. Bei Untersuchungen mit einem dreidimensionalen menschlichen Hautmodell wurden unter den getesteten Far-UVC-Bedingungen zudem keine nachteiligen biologischen Effekte festgestellt.

Eine im September 2026 über die ZHAW veröffentlichte Arbeit untersuchte darüber hinaus die Lichtverteilung des Systems und die thermische Reaktion hautähnlichen Gewebes. Solche Untersuchungen sind wichtig, weil bei einer Technologie, die später unmittelbar am Patienten eingesetzt werden soll, nicht nur die antimikrobielle Wirkung zählt. Ebenso entscheidend ist, ob die notwendige Strahlung kontrolliert und sicher an die vorgesehene Stelle gebracht werden kann.

Damit lässt sich erstmals konkreter beantworten, was die Seed-Finanzierung bewirkt hat: Sie hat nicht einfach weitere Monate Unternehmensbetrieb finanziert, sondern eine Reihe technischer und präklinischer Fragen bearbeitet, die zum Zeitpunkt der frühen Entwicklung noch offen waren.

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Warum Investoren in Stufen finanzieren

Genau hier liegt ein Grundprinzip der Life-Science-Finanzierung. Ein Investor stellt einem jungen Medtech-Unternehmen normalerweise nicht am ersten Tag das gesamte Kapital zur Verfügung, das bis zur Markteinführung benötigt werden könnte. Zu diesem Zeitpunkt wären zu viele entscheidende Fragen unbeantwortet.

Am Anfang steht möglicherweise eine wissenschaftliche Hypothese oder ein früher Prototyp. Danach müssen technische Funktion, Sicherheit und Wirksamkeit untersucht werden. Es folgen präklinische und gegebenenfalls klinische Untersuchungen, der Aufbau eines regulatorisch belastbaren Qualitätssystems, Zulassungsverfahren, Produktion und schliesslich die Kommerzialisierung. Jeder dieser Schritte kostet Kapital und kann scheitern.

Deshalb wird Finanzierung häufig an Entwicklungsstufen gekoppelt. Eine Runde finanziert den Weg bis zu einem bestimmten Meilenstein. Wird dieser erreicht, besitzt das Unternehmen für die nächste Runde mehr Evidenz als zuvor. Neue Investoren übernehmen damit weniger von bestimmten frühen technischen Risiken, bezahlen dafür aber möglicherweise eine höhere Bewertung.

Der Zusammenhang lautet deshalb nicht einfach: Mehr investiertes Geld führt zu einem höheren Unternehmenswert. Entscheidend ist vielmehr, was das Unternehmen mit diesem Geld beweisen konnte.

Warum fünf Millionen Franken heute etwas anderes kaufen als 2,4 Millionen damals

Aseptuva öffnet nun eine Series-A-Runde über 5 Millionen Franken. Das Kapital soll nach öffentlich verfügbaren Angaben unter anderem die klinische Entwicklung, den Ausbau in Grossbritannien und die Vorbereitung des US-Markteintritts finanzieren. Bestehende Aktionäre haben laut Dealroom bereits mehr als 400’000 Franken zusätzlich zugesagt.

Damit verändert sich die Aufgabe des Kapitals. Die Seed-Runde finanzierte den Weg von frühen Prototypen in Richtung präklinischer Validierung. Die nächste Runde soll das Unternehmen näher an klinische Anwendung und Marktzugang bringen.

Dass die nächste Runde grösser ist, überrascht deshalb nicht. Je näher ein Medizinprodukt an Patienten und Markt kommt, desto umfangreicher werden typischerweise die Anforderungen. Klinische Entwicklung, regulatorische Dokumentation, Qualitätssysteme, Produktion und internationale Markterschliessung benötigen andere Ressourcen als die Entwicklung eines ersten funktionierenden Prototyps.

Die Höhe einer Finanzierungsrunde sagt für sich genommen allerdings noch wenig über die Qualität eines Investments aus. Entscheidend ist, wie viel zusätzliches Risiko mit diesem Kapital bis zum nächsten Finanzierungspunkt beseitigt werden soll.

Verwässerung: Warum mehr Kapital nicht automatisch mehr Wert bedeutet

Ein vereinfachtes Beispiel zeigt den Mechanismus. Angenommen, ein Medtech-Unternehmen wird vor einer Finanzierungsrunde mit 10 Millionen Franken bewertet und nimmt anschliessend 5 Millionen Franken neues Eigenkapital auf. Die sogenannte Post-Money-Bewertung beträgt unmittelbar danach 15 Millionen Franken. Die neuen Investoren besitzen rechnerisch ein Drittel des Unternehmens.

Hielten die Gründer vor der Runde gemeinsam 60 Prozent, reduziert sich ihr Anteil durch die Ausgabe neuer Aktien auf 40 Prozent. Vor der Runde entsprachen 60 Prozent von 10 Millionen Franken rechnerisch 6 Millionen Franken. Unmittelbar nach der Runde entsprechen 40 Prozent von 15 Millionen ebenfalls 6 Millionen Franken.

Die Kapitalaufnahme allein hat die bestehenden Aktionäre in diesem vereinfachten Beispiel also nicht reicher gemacht. Sie besitzen einen kleineren Anteil an einem Unternehmen, das zunächst lediglich um das eingezahlte Kapital grösser geworden ist.

Interessant wird es erst danach.

Nehmen wir an, die 5 Millionen Franken finanzieren eine erfolgreiche klinische Studie und beseitigen damit ein wesentliches Entwicklungsrisiko. Bei der nächsten Runde wird das Unternehmen deshalb nicht mehr mit 10, sondern beispielsweise mit 30 Millionen Franken vor dem neuen Investment bewertet. Die 40 Prozent der ursprünglichen Gründer wären dann rechnerisch 12 Millionen Franken wert.

Der Wertzuwachs entstand nicht dadurch, dass jemand fünf Millionen Franken überwiesen hat. Er entstand, weil das Unternehmen mit diesem Kapital einen Beweis erbracht hat, der die Wahrscheinlichkeit eines späteren kommerziellen Erfolgs verändert.

Das funktioniert allerdings auch in die andere Richtung. Scheitert der entscheidende Versuch oder benötigt das Unternehmen wesentlich mehr Kapital als geplant, kann die nächste Runde zu derselben oder sogar einer niedrigeren Bewertung stattfinden. Dann trifft die bestehenden Aktionäre nicht nur die Verwässerung, sondern zusätzlich eine schwächere Bewertung.

Ein erreichter Meilenstein reicht nicht automatisch

Auch eine erfolgreiche präklinische Validierung rechtfertigt deshalb nicht automatisch eine höhere Bewertung. Sie beseitigt bestimmte Risiken, während andere bestehen bleiben oder überhaupt erst sichtbar werden.

Bei einem Medtech-Unternehmen können dazu die klinische Wirksamkeit am Menschen, regulatorische Anforderungen, Herstellbarkeit in grossem Massstab, Patentposition, Erstattung durch Gesundheitssysteme und die spätere Zahlungsbereitschaft der Spitäler gehören. Auch ein technisch funktionierendes Produkt kann wirtschaftlich scheitern, wenn seine Anwendung zu kompliziert oder teuer ist oder wenn der Nutzen gegenüber bestehenden Verfahren nicht ausreichend gross ist.

Gerade deshalb sind die mehr als 50 Gespräche, die Aseptuva nach eigenen Angaben mit medizinischem Personal geführt hat, für die Unternehmensentwicklung relevant. Sie beweisen keinen späteren kommerziellen Erfolg, zeigen aber, dass neben der technischen Entwicklung auch untersucht wird, wie und unter welchen Bedingungen das Produkt im klinischen Alltag eingesetzt werden könnte.

Eine seriöse Analyse unterscheidet an dieser Stelle zwischen technologischer Innovation und investierbarem Unternehmenswert. Eine interessante Technologie ist die Voraussetzung für viele Medtech-Unternehmen. Sie ist aber noch kein Beweis dafür, dass daraus ein zugelassenes, produzierbares und wirtschaftlich erfolgreiches Produkt wird.

Der Preis für bereits beseitigtes Risiko

Für Anleger ergibt sich daraus eine interessante Abwägung. Frühe Investoren steigen möglicherweise zu einer niedrigeren Bewertung ein, übernehmen dafür aber deutlich mehr technisches, klinisches und regulatorisches Risiko. Spätere Investoren verfügen über mehr Daten und können einen Teil der frühen Unsicherheit aus ihrer Entscheidung herausnehmen. Dafür bezahlen sie, sofern die Entwicklung erfolgreich verlaufen ist, häufig einen höheren Preis.

Die entscheidende Grösse ist deshalb nicht allein die Unternehmensbewertung. Interessanter ist das Verhältnis zwischen dem verlangten Preis und dem Risiko, das zum jeweiligen Zeitpunkt bereits beseitigt wurde.

Bei Aseptuva lässt sich diese Entwicklung zumindest teilweise beobachten. Zum Zeitpunkt der Seed-Runde musste noch wesentlich mehr von der technischen und präklinischen Entwicklung finanziert werden. Heute stehen funktionale Prototypen, präklinische Tests und zusätzliche Daten zur Verfügung. Gleichzeitig liegen klinische Entwicklung, regulatorische Schritte und die eigentliche Kommerzialisierung noch vor dem Unternehmen.

Ob daraus letztlich ein erfolgreiches Medizinprodukt entsteht, ist offen. Genau diese Offenheit erklärt, warum die Finanzierung nicht auf einmal, sondern in mehreren Stufen erfolgt.

Der eigentliche Vermögenswert ist der erreichte Beweis

Bei einem frühen Life-Science-Unternehmen besteht der Unternehmenswert deshalb nicht nur aus Patenten, Geräten oder bereits vorhandenen Umsätzen. Ein erheblicher Teil steckt in der Qualität der Evidenz, die im Laufe der Entwicklung entsteht.

Kann die Technologie unter kontrollierten Bedingungen funktionieren? Ist die Anwendung sicher? Bleibt die Wirkung unter klinisch relevanten Bedingungen bestehen? Lässt sich das Produkt in den Arbeitsablauf eines Spitals integrieren? Erfüllt es die regulatorischen Anforderungen? Und gibt es am Ende einen Markt, der bereit ist, für den nachgewiesenen Nutzen zu bezahlen?

Mit jeder belastbaren Antwort verändert sich das Risikoprofil des Unternehmens.

Für Anleger ergibt sich daraus eine Frage, die bei einer frühen Medtech-Finanzierung häufig mehr verrät als die Höhe der Runde oder die Namen prominenter Investoren:

Welches konkrete Risiko soll mit dem neuen Kapital bis zur nächsten Finanzierungsrunde beseitigt werden?

Wer darauf eine präzise Antwort erhält, versteht zumindest, wofür das investierte Geld eingesetzt werden soll. Wer lediglich hört, dass fünf Millionen Franken aufgenommen werden und die Technologie einen Milliardenmarkt adressiert, kennt zwar die Geschichte, aber noch nicht das Investment.

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Quellenbasis

Aseptuva AG – Unternehmensinformationen und News: Primärquelle für die 2025 abgeschlossene Seed-Finanzierung über 2,4 Millionen Franken sowie die Entwicklung der Far-UVC-Technologie. Aseptuva AG ist mit Sitz in Bern eingetragen; daneben besteht die britische Aseptuva Ltd.

Greater Geneva Bern area, 22. September 2026: „Aseptuva moves to preclinical validation and opens a CHF 5 million Series A round.“ Zentrale Quelle für den Übergang vom frühen Prototyping zur präklinischen Validierung, die neue Series-A-Runde über 5 Millionen Franken und die Beschreibung der Far-UVC-Technologie zur Prävention katheterassoziierter Blutstrominfektionen.

ZHAW Digital Collection, 3. September 2026: „Beam profiling and artificial-skin thermal validation of deep UVC catheter disinfection system.“ Wissenschaftliche Quelle zur Untersuchung der Lichtverteilung und der thermischen Reaktion hautähnlichen Gewebes bei dem von Aseptuva entwickelten Ansatz.

Dealroom, September 2026: Berichterstattung über die Entwicklung Aseptuvas nach der Seed-Runde. Grundlage für zusätzliche Angaben zu mehr als 50 Gesprächen mit klinischem Personal an acht Spitälern, den Entwicklungspartnern Philips Innovation Services, Fraunhofer FEP und Laser Zentrum Hannover, den präklinischen Tests sowie dem vorgesehenen Einsatz der Series-A-Mittel für klinische Entwicklung, Expansion in Grossbritannien und die Vorbereitung des US-Markts.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschliesslich der Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.

Dieser Beitrag dient ausschliesslich der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Beteiligungen oder Finanzinstrumenten dar. Beteiligungen an nicht börsenkotierten Unternehmen können illiquide sein und bis zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

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